Tom Hanks und Halle Berry mal sechs

Die «Twilight»- und «Harry Potter»-Macher hätten wohl sechs Filme daraus gemacht, Tom Tykwer und die Wachowsky-Geschwister haben die sechs Handlungsstränge des Romans «Cloud Atlas» aber in einen Film verpackt. Ein Fest für die Sinne!

Führt Halle Berry hier das Telepathie-Handy der Zukunft vor? Tom Hanks ist es auf jeden Fall nicht ganz geheuer.
Bildlegende: Führt Halle Berry hier das Telepathie-Handy der Zukunft vor? Tom Hanks ist es auf jeden Fall nicht ganz geheuer. Ascot Elite

1998 verblüffte der Deutsche Tom Tykwer die Filmwelt mit «Lola rennt». 1999 revolutionierten Larry (heute: Lana) und Andy Wachowsky mit «The Matrix» das Special-Effects-Kino. Jetzt haben die drei sich für «Cloud Atlas» zusammengetan und zeigen der Welt, dass man das Publikum auch mit einem 2D-Film zum Staunen bringen kann.

Die sechs Geschichten sind jede für sich nichts Bahnbrechendes, aber wenn man nahtlos von einem Kostümfilm über einen 70er-Jahre-Thriller zu einem Sciencefiction-Film wechselt, dann ist das eine visuelle Reise, die einem durchaus den Atem rauben kann.

Wiedergeburt über 500 Jahre hinweg
Zusammengehalten wird dieser Trip, der sich über 500 Jahre erstreckt, durch die Schauspieler, die in allen sechs Handlungssträngen auftreten. Damit wollen die Filmemacher das Motiv der Wiedergeburt illustrieren. Tipp: Unbedingt beim Abspann sitzenbleiben und schauen, welchen Star man in welcher Maske nicht erkannt hat.

Am auffälligsten ist sicher Tom Hanks, der sich von einem habgierigen Arzt im Jahr 1849 zu einem positiven Helden im Jahr 2346 entwickelt. Dabei begegnet er immer wieder Halle Berry, was ein Hinweis auf die Theorie der Seelengruppen ist, wonach gewisse Seelen immer wieder gleichzeitig inkarnieren, um ihren Lernprozess als Menschen fortzusetzen.

Quantenphysik im Unterhaltungskino
Das Schöne an «Cloud Atlas» ist allerdings, dass der Film diese esoterischen Theorien nie penetrant herausstreicht. Man kann den Film auch bestens geniessen, wenn man nicht an Wiedergeburt glaubt. Dann ist «Cloud Atlas» einfach ein grossartiges Kinoerlebnis, bei dem keine der 172 Filmminuten langweilt.

Wie «Avatar» (2009) trifft der neue Film ebenfalls den Nerv unserer Zeit. Zeigte «Avatar» die Vernetzung allen Lebens zu einer bestimmten Zeit auf, macht «Cloud Atlas» nun auch auf die Verbindungen durch die Jahrhunderte aufmerksam. Quantenphysik im Unterhaltungskino quasi.

Autor/in: Reto Baer