«Turist» - Eine Lawine von einem Film

«Turist» bläst einen weg wie die Druckwelle einer Lawine. Denn der schwedische Regisseur und Autor Ruben Östlund hinterfragt das Rollenbild vom selbstlosen Familienvater so messerscharf, dass es fast wehtut.

Wenige Sekunden später gerät das Gefüge der Familie im Zentrum arg ins Wanken.
Bildlegende: Wenige Sekunden später gerät das Gefüge der Familie im Zentrum arg ins Wanken. Look Now!

Skiferien in den französischen Alpen. Alles scheint in bester Ordnung zu sein mit der jungen schwedischen Familie. Bis sie am zweiten Tag auf der Restaurant-Terrasse zu Mittag isst. Denn plötzlich rollt eine Lawine auf die Terrasse zu. Der Vater packt sein Handy und rennt davon. Die Mutter packt die beiden Kinder und weiss nicht weiter.

Doch es passiert nichts. Die Lawine stoppt rechtzeitig. Dennoch ist nichts mehr so wie vorher. Denn der Vater hat sich nicht so verhalten, wie es seine Frau von ihm erwartet. Und wahrscheinlich hat auch der Vater selber andere Erwartungen an sich.

Ein Film, der unter die Haut geht
Er möchte am liebsten leugnen, was passiert ist. Aber die Mutter will ständig darüber reden. Sie erzählt es auch anderen Feriengästen. So nagt das verrückte Erlebnis immer mehr am fragilen Familiengefüge. Und als Zuschauer fragt man sich, ob die Lawine nicht doch mehr Schaden angerichtet hat, als man meint.

Ruben Östlund hat diese packende Geschichte in grossartigen, bis ins kleinste Detail durchdachten Bildern inszeniert. «Turist» ist einer der besten Filme des Jahres. Ein Film, bei dem einfach alles stimmt, ein Film, den man nicht so schnell wieder vergisst. 6 von 6 Filmbären.

Trailer Sd / Ausschnitt und Trailer D

Autor/in: Reto Baer