Überlebenskampf im All

Neben «Apollo 13», der auf Tatsachen beruht, ist der gänzlich fiktive «Gravity» wohl einer der realistischsten Weltraum-Filme überhaupt. Alfonso Cuarón hat ihn mit Sandra Bullock und George Clooney grandios in 3D inszeniert.

Ryan Stone (Sandra Bullock) und Matt Kowalsky (George Clooney) kurz vor der Katastrophe.
Bildlegende: Ryan Stone (Sandra Bullock) und Matt Kowalsky (George Clooney) kurz vor der Katastrophe. Warner Bros.

Der Astronaut Matt Kowalsky (George Clooney) und seine Kollegin Ryan Stone (Sandra Bullock) arbeiten ausserhalb ihrer Raumstation. Da schwebt plötzlich eine Schraube davon. Kowalsky greift danach, die Hand scheint regelrecht aus der Kinoleinwand hinaus in den Saal zu ragen.

Die kurze Szene erinnert das Publikum gleich zu Beginn daran, dass es einen 3D-Film schaut. Seit «Avatar» konnte man keine so guten 3D-Effekte in einem Schauspielerfilm mehr sehen. «Gravity» sollte man daher unbedingt auf der grossen Leinwand geniessen.

Die im Raum schwebende Schraube ist nichts gegen die Hölle, die nur Minuten später losbricht. Denn die Raumstation gerät in einen Trümmerhagel eines zerstörten Satelliten. Mit viel Glück überleben Kowalsky und Stone als einzige, können aber nicht mehr in ihre Raumstation zurück.

Unglaublich packend
Die einzige Rettungsmöglichkeit ist, die russische Raumstation anzusteuern. Doch in 90 Minuten werden die Trümmer die Erde umrundet haben und erneut auftauchen. Mit dieser simplen Ausgangslage kreiert Alfonso Cuarón, der das Drehbuch mit seinem Sohn Juán geschrieben hat, eine unglaubliche Spannung.

Die grosse Überraschung ist Sandra Bullock, die man in einem solchen Film nicht erwarten würde. Sie schafft es, den Film über weite Strecken ganz allein zu tragen. Keine schlechte Leistung, wenn man bedenkt, dass die 49-Jährige meist an Drahtseilen hängend vor einer Green Screen spielen musste.

Sensationelle Aufnahmen
In der Ausgangslage erinnert «Gravity» an Ray Bradburys berühmte Kurzgeschichte «Kaleidoscope» (2012 von Eric Tozzi verfilmt), entwickelt sich sonst aber ganz anders. Dafür haben sich die Filmemacher bei der legendären Feuerlöscher-Szene aus dem Trickfilm «Wall-E» (2008) bedient.

Nach Filmen wie «Y tu mamá también» (2001) oder «Children of Men» (2006) ist dies ein weiteres Meisterwerk von Alfonso Cuarón. Die Weltraum-Bilder  inklusive der Aufnahmen von innerhalb des Astronautenhelms sind sensationell. Ganz klar 6 von 6 Filmbären.

Amerikanischer Trailer                               Deutscher Trailer

Autor/in: Reto Baer