«Une nouvelle amie» ist ein Mann

  • Montag, 23. März 2015, 14:03 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 23. März 2015, 14:03 Uhr, Radio SRF 3
  • Wiederholung:
    • Samstag, 28. März 2015, 12:14 Uhr, Radio SRF 3

François Ozon spielt gern mit Sein und Schein, etwa in «Dans la maison» oder «Sous le sable» und nun auch wieder in «Une nouvelle amie». Denn Claires neue Freundin wirkt zwar sehr feminin, ist aber ein Mann.

David (Romain Duris) will für sein Kind Vater und Mutter in einem sein.
Bildlegende: David (Romain Duris) will für sein Kind Vater und Mutter in einem sein. Filmcoopi

Die allererste Szene zeigt, wie Lippen geschminkt und Wimperntusche aufgetragen wird. Doch dann wird dieses Bild der Sinnlichkeit abrupt gebrochen, indem die Kamera enthüllt, dass hier eine Frauenleiche zurecht gemacht wird.

So gibt François Ozon gleich zu Beginn seines neuen Spielfilms «Une nouvelle amie» den Tarif durch. «Achtung! Ich führe euch hinters Licht», scheint der Regisseur zu sagen. Und er sagt es nicht nur, er tut es auch.

Papa mit Perücke und Schminke
Eine Rückblende erklärt, wer die tote Frau ist: Laura (Isild Le Besco). Sie war so fest mit ihrer besten Freundin Claire (Anaïs Demoustier) verbandelt, dass die beiden alles gemeinsam gemacht haben, sogar heiraten. Jetzt aber muss Claire plötzlich ohne ihre beste Freundin das Leben meistern.

Doch dann glaubt sie, Laura noch einmal zu sehen, als sie deren Mann David (Romain Duris) besuchen will. Allerdings ist es David selber, der Lauras Kleider angezogen hat und mit Perücke und Schminke seinem Baby den Schoppen gibt.

Ups! Schon wieder hinters Licht geführt. Das macht François Ozon so gerne, weil er dadurch seinen Figuren, uns Zuschauern und wohl auch sich selber immer wieder bewusst machen will, dass wir meistens das sehen, was wir sehen wollen, statt das, was sich uns tatsächlich zeigt.

Amüsant, aber nicht immer stimmig
Die neue Freundin, die «nouvelle amie», ist also David, der sich in Frauenkleidern Virginia nennt und Claire erst mal vor den Kopf stösst. Aber als sie sich von ihren festgefahrenen Denkmustern verabschiedet, kann sie wieder auf David/Virginia zugehen. Und gewinnt dadurch eine neue Freundin.

Der Film amüsiert wirklich über weite Strecken. Aber er ist auch wahrnehmbar eine Kopfgeburt und emotional entsprechend holprig. David beginnt die Kleider seiner verstorbenen Frau aus Trauer zu tragen, was stimmig ist. Doch dann wird aus dieser Trauer etwas gar schnell Lust. 3 von 6 Filmbären.

Trailer Fd / Clips und Trailer D

Autor/in: Reto Baer