Von der Zerbrechlichkeit der Körper

Nach dem eindringlichen Gefängnisfilm «Le prophète» überzeugt Jacques Audiard nun mit «De rouille et d'os», einer melodramatischen Liebesgeschichte, die von der vibrierenden Körperlichkeit ihres Hauptdarsteller-Duos lebt.

Hier ist die Welt noch in Ordnung: Stéphanie (Marion Cotillard) arbeitet im Aquapark von Antibes mit Orcas.
Bildlegende: Hier ist die Welt noch in Ordnung: Stéphanie (Marion Cotillard) arbeitet im Aquapark von Antibes mit Orcas. JMH

Ali (Matthias Schoenaerts) hat keine Angst vor illegalen Boxkämpfen. Was sind schon Blut und Schmerzen? Hauptsache, er verdient damit Geld. Stéphanie (Marion Cotillard) hingegen braucht ihre Hände, um den dressierten Orcas Zeichen zu geben.

Doch dann passiert ihr ein Unfall mit einem der Wale, nach welchem ihr beide Unterschenkel amputiert werden müssen. Ausgerechnet der grobschlächtige Ali ist dann derjenige, der sich um die überforderte Frau kümmert und sie ermutigt, nicht aufzugeben.

Wahre Liebe rostet nicht
«De rouille et d'os» («Von Rost und Knochen») erzählt von inneren und äusseren Verletzungen und der Liebe, die man trotzdem erfahren kann. Dabei geht Regisseur Jacques Audiard mit seiner Kamera so nahe ran, dass man mitunter glaubt, sogar die Haare der grossartigen Hauptdarstellerin knistern zu hören.

Als Zuschauerin oder Zuschauer erhält man dadurch die Illusion, hautnah dabei zu sein. Das geht mitunter - bei den Boxkämpfen zum Beispiel - ganz schön an die Nieren, im nächsten Augenblick wieder voll ins Herz. Ein ganz starker Film, der noch lange nachwirkt.

Autor/in: Reto Baer