Komiker & Schauspieler Mike Müller «Ich bereue viele Pointen»

Über ihn lacht die Schweiz. Mike Müller, Komiker mit 27 Semestern Philosophie-Studium im Rucksack. Schauspieler ohne Schauspielausbildung. In der Gesprächssendung Focus zeigt er sich ohne Drang zum Lustigsein.

Mike Müller
Bildlegende: Mike Müller Keystone

«Das ist doch der Lustige aus dem Fernsehen, der macht bestimmt einen Witz.» Regelmässig trifft Mike Müller im Alltag auf diese Erwartungshaltung. Erfüllen mag er sie jedoch nicht. Denn es gebe ganz viel im Leben, das überhaupt nicht lustig sei auch im Berufsleben. «Macht man im Beruf etwas, das nicht unter dem Genre Komik läuft, hat es gefälligst auch nicht lustig zu sein», sagt er.

Unlustige Rollen hat Mike Müller besonders auf der Bühne regelmässig. Dass er gleichzeitig als Komiker im Fernsehen zu sehen ist, ist für ihn kein Problem. Die Unterscheidung zwischen «E» und «U», zwischen Ernst und Unterhaltung, sei ein deutschsprachiges Konstrukt. «Solange das aber nicht im Zivilgesetzbuch steht, halte ich mich nicht daran. Ich mache das, was ich will. Mit den Leuten, die ich interessant finde.» Entscheidend sei für ihn die Abmachung, das Genre, in dem etwas stattfinde.

An diese Abmachung halte sich auch das Publikum idealerweise. Es sei aber auch schon vorgekommen, dass dies nicht so sei. Dann lachte das Publikum an Stellen, die eigentlich gar nicht lustig gemeint waren. Aber das könne man brechen. Unschön zwar, aber manchmal sei es nötig. «Wenn es zu lustig wird, zwingt dir das Publikum einen Rhythmus auf, der nicht mehr der Eigene ist.»

«Ich spiele auch für die, die nicht lachen»

In den ersten Minuten des Stücks merke er als Schauspieler, wie das Publikum drauf sei. Nur einmal sei ihm das Publikum entglitten, habe Zwischenapplause gegeben, was ihm nicht gepasst habe. «Dann musst du einfach dein Tempo halten, die Lacher nicht abwarten, direkt weitermachen. Die Leute zwingen, zuzuhören. Denn die Zuschauer, die lachen, sind natürlich die Lautesten. Die, die nicht lachen und zuhören wollen, machen sich nicht expressiv bemerkbar. Die sind ruhig. Ich aber will für alle spielen. Nicht nur für die, die lachen.»

Im «echten Leben» will Mike Müller nicht Komiker sein. Würde er an einer Silvesterparty aufgefordert, eine Parodie zu machen, würde er vermutlich nach Hause gehen. «Auf Kommando etwas vorspielen ist grässlich. Nicht nur für den, der es machen muss, sondern auch für die, die zuschauen müssen.»

In diesen Tagen gibt es Mike Müller auf allen Kanälen: Neben seiner wöchentlichen Satire-Sendung „Giacobbo/Müller flitzt er als Velokurier über die Kinoleinwände und mischt sich ab 8. Januar als «Der Bestatter» auf Fernsehen SRF 1 in die Aufklärung von Mordfällen ein. Im Focus erzählt der 49-jährige «Knuddel-Komiker» (Blick) ungeschminkt und unrasiert von Film-Flopps, bereuten Pointen und Tiefgaragen-Begegnungen mit jenen, die er parodiert.

Autor/in: Jessica Francis / Franziska von Grünigen