Zwischen alpinistischen Höhepunkten und menschlichen Abgründen

Die letzten vier Jahre waren für den Schweizer Alpinisten Ueli Steck äusserst ereignisreich. Sie haben bei ihm Spuren hinterlassen und damit auch seine Art des Bergsteigens verändert.

Ueli Steck und Mona mit dem Filmteam am Eiger

Bildlegende: Mona Vetsch trifft für «Fortsetzung folgt» den Ausnahmekletterer Ueli Steck am Eiger. SRF

2013 war ein schicksalhaftes Jahr für den heute 38-jährigen Ueli Steck. Am Mount Everest gerieten er und sein italienischer Partner Simone Moro in einen heftigen Konflikt mit den Sherpas. Der Auslöser: Steck und Moro trainierten am selben Hang, an dem die Sherpas Fixseile anbrachten.

Die beiden Europäer kreuzten die Wege der Sherpas, diese fühlten sich gestört, es fielen grobe Schimpfworte. Zurück im Camp 2 auf 6400 Meter Höhe eskalierte die Situation. Ein Mob wütender Sherpas machte regelrecht Jagd auf Steck und Moro. Von den bangen Minuten existieren Videoaufnahmen.

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Drama auf 6400 Metern

1:04 min, vom 17.4.2015

Ueli Steck kam ohne grosse äussere Verletzungen davon. Aber in seinem Innern war er verwundet. Er dachte sogar ans Aufhören. Dann besann er sich wieder aufs Klettern und setzte sich neue Ziele.

Wo sind die Beweise?

Ein halbes Jahr später reiste er wieder in den Himalaya. Sein Ziel: Die Annapurna-Südwand auf einer bisher unbegangenen Route zu besteigen. Eigentlich wollten sie zu zweit los, doch Stecks Partner zog sich in letzter Minute zurück. Der Schweizer ging alleine. 28 Stunden später war Steck zurück im Basecamp: Mission erfolgreich beendet. Ein Meilenstein in der Geschichte des Bergsteigens. Später bekam der Schweizer den «Piolet d’Or» – den Oscar unter den Bergsteiger-Auszeichnungen – für diese Begehung der Annapurna-Südwand. Nur: Steck kann nicht beweisen, dass er oben war.

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Weshalb hat sich Ueli Steck nicht gemeldet, als er am Berg war?

1:41 min, vom 17.4.2015

Es gibt kein Gipfelfoto, keine GPS-Daten und keine Zeugen, die ihn begleitet haben. Kritiker – darunter auch Bergsteiger-Kollegen – glauben Steck nicht, dass er auf der Annapurna war und bezichtigen ihn der Lüge. Steck hält freilich daran fest, oben gewesen zu sein. Dafür sei er Risiken eingegangen, wie noch nie zuvor. Er habe sogar akzeptiert, möglicherweise nicht lebend zurückzukommen.

Das nächste grosse Projekt von Steck ist deshalb wie immer ein sehr ehrgeiziges, aber ein nicht ganz so gefährliches für Leib und Leben. Er will alle 4000er der Alpen an einem Stück bezwingen: 82 Gipfel in geschätzten 80 Tagen.

Zwischen den Bergen bewegen sich Ueli Steck und sein deutscher Bergsteiger-Kollege Michael Wohlleben nur mit Muskelkraft. Ohne Auto, Zug oder anderen motorisierten Verkehrsmitteln.

Was ein Sherpa zum Streit am Everest sagt

In Folge 7 von «Fortsetzung folgt» am 22. Mai 2015, erzählen wir die Geschichte der Sherpas weiter – den wahren Helden am Mount Everest. Norbu Sherpa – mittlerweile sechsfacher Everest-Bezwinger – ist eine der Hauptfiguren des Films. Er hat den Konflikt zwischen Steck und den Sherpas zwar nicht unmittelbar miterlebt, war aber zu jenem Zeitpunkt am Everest und kennt Ueli Steck persönlich.

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Norbu: «In grosser Höhe ist man nicht mehr der gleiche Mensch.»

1:51 min, vom 17.4.2015

Markus Storrer ist zusammen mit Denise Langenegger Produzent der diesjärigen Staffel von «Fortsetzung folgt».

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