Braucht das Tessin eine zweite Gotthard-Röhre?

Spätestens bis 2030 muss der Gotthard-Strassentunnel totalsaniert werden. Bundesrat und Parlament wollen eine zweite Röhre. Andere wollen den Strassenverkehr während der Sanierungszeit auf die Schienen verlagern. Welche Konsequenzen hätten die beiden Vorschläge fürs Tessin?

Blick auf den Gotthard-Tunneleingang.
Bildlegende: Der Bau einer zweiten Röhre ist ein Vorhaben, das Emotionen weckt. Keystone

Der zweite Gotthard-Strassentunnel ist ein heisses Thema: Nach dem Ständerat hat sich nach einer emotionalen Debatte nun auch der Nationalrat mit 190 gegen 74 Stimmen für den Bau eines zweiten Gotthard-Strassentunnels ausgesprochen.

Trotz der Zustimmung beider Räte für den zweiten Gotthard-Strassentunnel und der Sanierung des bestehenden, dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein: Die Grünen beschlossen schon im Frühjahr, dagegen das Referendum zu ergreifen.

Alpenschutz in Gefahr?

Die Gegner der zweiten Röhre befürchten massive Einbussen in der Lebensqualität. Eine zweite Tunnelröhre würde die Blechlawine durchs Tessin vergrössern. Und sei die zweite Röhre einmal gebaut, würde man bei hohem Verkehrsaufkommen das Konzept des einspurigen Verkehrs fallen lassen. Dadurch würde der Alpenschutz untergraben, der seit 1994 in der Verfassung verankert ist.

Wirtschaftsstandort Tessin in Gefahr?

Für die Befürworter der zweiten Röhre ist klar: Würde der Gotthard-Strassentunnel ohne zweite Röhre saniert, so würden Firmen abwandern und das Tessin würde Arbeitsplätze verlieren. Der Warenverkehr mit Gütern aus dem Norden könne mit dem Konzept der rollenden Strasse nicht gesichert werden. Der Tourismus würde leiden und das Tessin während der Sanierung isoliert. Zudem biete die zweite Röhre ein riesiges Sicherheitsplus: Wenn beide Tunnels in Betrieb seien, entfalle der Gegenverkehr. In jeder Röhre würde nur einspurig gefahren.

In der Sendung «Forum» diskutieren:

  • Luca Albertoni, Direktor der Handelskammer Tessin
  • Fabio Pedrina, Ingenieur und Alt-Nationalrat SP
  • Alexander Grass, Radio SRF-Tessinkorrespondent

Welches ist die bessere Lösung fürs Tessin? Schreiben Sie Ihren Kommentar und diskutieren sie mit. Ihre Argumente fliessen am Donnerstagabend in die Sendung ein.

Moderation: Thomy Scherrer, Redaktion: Thomy Scherrer