«Joe Danger 2 The Movie»: Zu viel ist genau richtig

Joe Danger ist ein Stuntman - für eine gute Show setzt er sein Leben aufs Spiel. Im ersten Teil des Spiels tat er das noch im Stil von Evel Knievel auf einem Töff. Nun kommen Jetpack, Einrad oder Minenlore dazu.

Joe hat alles im Griff, ehrlich.
Bildlegende: Joe hat alles im Griff, ehrlich.

Vor Jahren sah ich mal auf VOX einen Bericht von einer Sexmesse. Da stand eine schon etwas in die Jahre gekommene Blondine mit aufgepumpten Lippen und fussballgrossen Brüsten im pinken Minikleid. Im Arm hielt sie ein Mann mit Ledergesicht und Cowboyhut, der in breitestem Amerikanisch ins Mikrofon verkündete: «You know, in America bigger is better - and too much is just right!»

Zu viel ist genau richtig - das bringt «Joe Danger 2 The Movie» auf den Punkt. Gegenüber dem Vorgänger hat das winzige britische Studio «Hello Games» mehr, mehr, mehr ins Spiel gepackt.

Blockbuster!

Die Rahmenhandlung sind nicht mehr Stuntshows, sondern Hollywood. Joe Danger hat es in die obere Liga der Stuntmen geschafft und riskiert sein Leben nun für Blockbuster-Action-Filme. Jeder Level im Spiel entspricht einer Szene, mehrere davon einem Film; sechs Akte entsprechen sechs Filmen.

Dieser Kniff erlaubt «Hello Games», mit Kulissen und Fahrzeugen aus dem vollen zu schöpfen. In einem James-Bond-ähnlichen Film fährt Joe Ski oder Skitöff, während er von Hubschraubern unter Beschuss genommen wird oder auf Atomraketen springt, um sie am Abschuss zu hindern. In Indiana-Jones-Manier rast er in einer Minenlore durch einstürzende Höhlen voller Kettensägen und fiesen Weichen. Und mit einem Jetpack fliegt er um gigantische 50ies-Roboter und Schleim-Aliens. Daneben setzen wir uns auch mal im Bärenkostüm auf ein Polizeimotorrad oder als dicker 70er-Jahre-Elvis auf ein Einrad.

Mehr, mehr, mehr

Also alles auf Rechtsanschlag, insbesondere auch, was auf dem Bildschirm gleichzeitig abgeht. Wir fahren grundsätzlich immer von links nach rechts, geben Gas, bremsen und halten mit dem linken Stick das Gleichgewicht. Dazu ducken wir uns, springen, winken, boosten und boxen andere Fahrer. Das ist viel, es ist überwältigend, und weil das noch nicht reicht («too much is just right!»), explodiert ständig etwas, andere Fahrer düsen herum, in der Kulisse bewegt sich immer irgendwas - bis wir Schaum vor dem Mund und verkrampfte Hände haben. Es geht also nicht nur darum, den Level zu lernen und den richtigen Springen!Ducken!Boost!Trick!-Rhythmus zu finden, sondern dazu noch in dem ganzen Chaos den Überblick zu bewahren.

Design: Alles richtig

Spielmechanisch hat man kaum etwas verändert - weil es auch nichts zu verbessern gab. Die Dramaturgie gefällt mir sogar noch besser: Es wechseln sich Level ab, die wir in Abschnitten spielen können. Andere müssen wir in einem Zug durchfahren. In einigen gibt es Zeitdruck, in anderen kann man sich Zeit lassen und erkunden.

Und auch die Schwierigkeits-Kurve stimmt: Erst in den beiden letzten Akten ist in einigen Levels schon allein das reine Durchkommen eine Herausforderung. Zuvor sind es vor allem die Zusatzaufgaben, die uns fordern.

Im Review vom ersten Teil habe ich geschrieben: «Joe Danger weiss, was es ist, und will nicht mehr sein. Ein Motorrad, ein Stuntman und die komplette Verachtung von Konsequenz und Vernunft - mehr braucht es nicht, um Spass zu haben.» Das gilt noch immer. Und dass es von allem mehr gibt, dass es einfach zuviel ist, ist genau richtig.

Lore und Jet Pack,
Elvis und Muffin!
Mein Stunt: Aus dem Mund schaumen.

Zur ausführlichen Kritik

Autor/in: Guido Berger