«Need for Speed: Most Wanted»: Ein Spielplatz für Raser

«Need for Speed» ist das beliebteste Action-Rennspiel und hat sich alle Versionen zusammengerechnet schon über 100 Millionen mal verkauft. Zuletzt hatte der Erfolg aber mehr mit gutem Marketing zu tun denn mit den Spielen an sich. Nicht so bei der neusten Ausgabe: «Need for Speed: Most Wanted»

So macht Punktesammeln Spass: Sprung durch die Reklametafel
Bildlegende: So macht Punktesammeln Spass: Sprung durch die Reklametafel

Zehn Top-Raser gibt in der Stadt Fairhaven («Heimat der intensivsten Strassenrennen des Planeten», wie einen eine säuselnde Frauenstimme wissen lässt). Will man zu diesen «Most Wanted» gehören, muss man sie im Strassenrennen besiegen. Soweit das simple Ziel des Spieles.

Renn-Erfahrung sammelt man sich mit einem der Boliden, die in ganz Fairhaven verteilt geparkt sind. Keines dieser gut 60 Autos muss extra freigespielt werden vom Ford Pickup-Truck bis zum Lamborghini stehen sie einem von Beginn weg zur Verfügung. Einfach einsteigen, Bleifuss durchdrücken und davon brausen.

Für jedes Auto stehen unterschiedliche Rennen auf dem Plan. Je nach Platzierung kann man den Wagen danach weiter Tunen: Etwa mit besseren Reifen oder Lachgaseinspritzung. Zuerst überfordert einen das Angebot geradezu, man steigt ins eine Auto ein, fährt ein Rennen, nur um danach gleich in den nächsten Wagen zu wechseln.

Ein riesiger Spielplatz für Strassen-Raser
Hinter «Need for Speed: Most Wanted» steht das Entwickler-Studio Criterion Games. Criterion war bereits für «Need for Speed: Hot Pursuit» (2010) verantwortlich und hat sich mit der «Burnout»-Serie einen Namen gemacht. Bei «Burnout» geht es nicht in erster Linie darum, wer als erster im Ziel ist, sondern wer auf dem Weg dahin am meisten Schaden anrichtet.

«Most Wanted» scheint nun wie ein Mix der beiden Rennspiel-Serien (wie schon «Hot Pursuit»): Die Rennen aus «Need for Speed», die Freude am kaputt machen aus «Burnout». Und kaputt zu machen gibt es viel: Fairhaven ist eine offene Stadt, jedes Seitengässchen, jeder Schrottplatz und Hinterhof kann befahren werden.

So stellt man sich in diesem riesigen Auto-Spielplatz seine eigenen Routen zusammen: Mit Hochgeschwindigkeit zwischen zwei Brückenpfeilern hindurch, eine Rampe als Sprungschanze genutzt und dann durch eine Reklametafel durchgesprungen. So holt man sich Punkte. Ebenso wenn man an Radaranlagen vorbeirast oder in einer wilden Verfolgungsjagd der Polizei entkommt.

Unnötige Crash-Animation
Und die Boys in Blue gehen in Fairhaven nicht eben zimperlich vor: Sie rammen Flüchtende oder versuchen sie mit Strassensperren zu stoppen. Baut man einen Unfall (egal ob von der Polizei verfolgt oder während eines Rennens), wird einem eine Crash-Sequenz gezeigt, die sich nicht wegklicken lässt. Erst danach geht die wilde Hatz weiter.

Auch beim Fahrzeugwechsel dank guter Menu-Führung einfach und schnell gemacht gibt es eine kleine Unschönheit. Befindet man sich auf dem vorgegebenen Weg zu einem Rennen (der einige Meilen lang sein kann) und sieht unterwegs einen neuen Wagen am Wegrand stehen, steht man vor einem kleinen Dilemma: Steigt man in den neuen Wagen, geht die Anfahrt zum Rennen «verloren». Fährt man weiter zum Rennen, muss man den neu erblickten Schlitten später wieder suchen.

Sich gegenseitig Rammen und vom Hausdach springen
Doch das sind Kleinigkeiten, die dem Spielspass keinen Abbruch tun. Die offene und grafisch beeindruckend umgesetzte Welt von Fairhaven lädt zu schier unendlichen Erkundungstouren ein. Die Fahrphysik der Autos ist geschickt austariert, verzeiht einem die gröbsten Fehler und scheint trotzdem nicht allzu unrealistisch.

Am meisten Spass macht aber der Multiplayer-Modus: Sich gegenseitig rammen oder bei gesetzten Aufgaben behindern, schauen, wer am weitesten von einem Hausdach springen kann oder einfach zu acht mit Hochgeschwindigkeit durch die Strassen rasen sind schon die Rennen gegen Computer-Gegner nervenaufreibend spannend, sitzt einem der Gegner beim Multiplayer-Rennen noch viel unerbittlicher im Nacken.

Autor/in: Jürg Tschirren