Federica de Cesco im Gespräch «Die Beatles waren mir zu brav»

Das Buch «Der rote Seidenschal», das sie im Alter von 15 Jahren schrieb, begründete ihre Karriere als Jugendbuchautorin. Nun ist Federica de Cesco 79 Jahre alt – und blickt zurück auf ihre Anfänge als Autorin.

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Arbeitsrhythmus einer Autorin

1:07 min, vom 18.7.2017

In den 60er-Jahre gab es wenig Frauen in den Schriftstellerkreisen. Wie reagierten Ihre männlichen Kollegen auf Sie?

Sie waren arrogant, sehr arrogant. Man musste wirklich auf der Hut sein und sich von ihrer Arroganz nicht unterkriegen lassen. Das war schon ein Problem für, vielleicht für andere Schriftstellerinnen, die sich automatisch in diese zweitrangige Rolle gedrängt fühlten und nicht wussten, wie sie sich da rauswurschteln konnten.

Wie haben Sie das gemacht?

Ich habe meine Lehre gezogen, als mich jemand mit einer Schlange verglich. Ein französischer Schriftsteller hat sich bei einem noblen Bankett zu mir hin gebeugt, meinen Rock leicht gehoben und gesagt: «Mademoiselle, mich interessiert, was Sie darunter tragen, ich würde gerne Ihre Unterwäsche sehen.» Ich konterte, «Monsieur, mich interessiert Ihre Unterwäsche überhaupt nicht, die würde ich nicht gerne sehen». Worauf er zurückschlug, «Mademoiselle, eine Schlange bewundert man schön schillernd in der Sonne, aber man küsst sie nicht»... da ist mir die Munition ausgegangen.

Später hätte ich irgendwas Boshaftes kontern können, zum Beispiel, «die Schlange, mein lieber Herr, könnte Sie in Ihren Ringen ersticken, da wo Sie nicht erstickt werden wollen». Voilà, das kann ich heute, aber nicht damals als junges Mädchen.

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«Das Bedürfnis zu schreiben ist so stark»

0:59 min, vom 11.7.2017

Waren Sie gerne ein Mädchen?

Total. Ich bin gern ein Mädchen gewesen. Ich fand, man kann auf einer doppelten Ebene agieren. Wenn man es braucht, hängt man das Männliche raus und sonst das Weibliche. Es funktioniert immer, wenn man beides mischt. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

An welche Modetrends und Modesünden Ihrer Zeit erinnern Sie sich?

Es war die Zeit der Miniröcke. Die hatte ich zwar nicht so gerne getragen, dafür Minishorts. Sowieso habe ich sehr gerne Hosen getragen, alle möglichen verrückten Modelle. Schlaghosen, goldene, silberne Hosen. Da bin ich heute eher minimalistisch.

Beatles oder Rolling Stones?

Ich war Fan der Rolling Stones. Die Beatles waren mir zu brav. Mick Jagger, wie er da «Sympathy For the Devil» schmetterte – das war anders. Das liebte ich.

Hatten Sie ein Lieblingsauto?

Wir hatten einmal einen Volkswagen Jeep, das war mein Lieblingsauto. Aber nein, ich fahre nicht Auto, ich bin ein «danger publique». Ich würde nämlich «italienisch» fahren und mein japanischer Mann würde einen Schlaganfall kriegen im Auto... Das geht nicht.

Ein Bild von Federica de Cesco und ihrem Mann Kazuyuki Kitamura.

Bildlegende: Federica de Cesco mit ihrem Mann, dem japa­nischen Fotografen Kazuyuki Kitamura. SRF

Sie haben Psychologie und Kunstgeschichte studiert...

Ja, weil es mich interessierte. Ich habe aber in beiden Fächern nie abgeschlossen. Ich habe mich immer verzogen, bevor ich ein Examen machen musste, da ich das als Zeitverschwendung ansah. In meinem Beruf brauchte ich das Diplom nicht – aber ich musste Bescheid wissen.

«  Freud soll sich selber auf die Couch legen. »

Und war Ihnen das Psychologie-Studium beim Schreiben eine Hilfe?

Jaja. Also ich bin eher Jungianerin, mit Freud kann ich nicht viel anfangen. Ich finde, der hat selbst Probleme, der soll sich selbst auf die Couch legen. Mir gefällt die Traumdeutung von Jung... und überhaupt dieser Topos, den er beschreibt. Das geht schon sehr tief, die Archetypen im Menschen, der Weg des Lebens, der Abstieg zu den Müttern, also zu den Ahnen und dann das Symbol des unterirdischen Wassers... Das gefällt mir.

Womit hadern Sie, wenn Sie auf ihr Leben zurückblicken?

Ich glaube, ich würde es genau gleichmachen, aber das ist wegen meinem Widderkopf. Der Widderkopf überlegt nicht lange, der geht mit dem Kopf durch die Wand und komischerweise ist das, was der Widder macht, gar nicht so übel. Wenn ich einen Entschluss fasse, geht das blitzschnell, ich schätze das Risiko ein und handle sofort.

«Geboren am…»

Bilderrahmen mit drei Ereignissen: Flugzeug, Unruhen, ein Mann mit Armbrust

SRF

In der Sommerserie «Geboren am…» erzählen wir Geschichten von Menschen, die eines verbindet: Sie kamen am gleichen Tag auf die Welt.

Sendungshinweis

Die dritte Folge von «Geboren am…» mit Federica de Cesco wird am Mittwoch, 19. Juli 2017, 20:05 Uhr auf SRF1 gezeigt.

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