Birgit Steinegger im Gespräch «Ich wäre gern so offen wie Frau Iseli»

Sie ist die wohl erfolgreichste Schweizer Schauspielerin im komischen Fach: Birgit Steinegger. Im Interview spricht sie über ihre Kindheit, «Total Birgit» und das Älterwerden.

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«Unser Haus war voller Musik»

0:36 min, vom 31.7.2017

Birgit Steinegger, wieso wollten Sie Schauspielerin werden?

Das hat tatsächlich als kleines Kind angefangen. Ich habe mich schon immer liebend gern verkleidet, Leute beobachtet und sie auch nachgemacht. Bei uns Zuhause gab es viele Konzerte, da meine Mutter Musikerin war. Ich habe mich dort manchmal zu Tode gelangweilt, die Gespräche interessierten mich nicht. Dann bin ich auf den Estrich, habe die Kleider meiner Eltern durchwühlt, mich verkleidet und bin nachher als irgendeine Figur hinuntergekommen zu den Gästen und habe sie unterhalten.

Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich kein selbstsicherer Mensch bin. Es heisst oft, Schauspieler verstecken sich hinter ihren Rollen und ich gehöre exemplarisch zu denen. Als Schauspielerin kann ich einen Text transportieren und muss nicht mich selber sein.

Dabei gehören Sie zu den erfolgreichsten Komikerinnen…

Es freut mich wahnsinnig, wenn ich vom Publikum einen derartigen Zuspruch bekomme. Das ist grossartig. Aber mein Selbstbewusstsein gestärkt hat es nicht. Ich hatte immer grauenhafte Ängste, vor jeder Premiere. Ein Lampenfieber, ganz grässlich. Darunter leide ich noch immer.

Kürzlich passierte es im Zug wieder, jemand kam zu mir, gab mir die Hand und sagte: «Ich danke Euch für all das, was Sie uns geschenkt haben.» Ich erschrecke dann fast und denke, das ist doch nicht möglich – aber es freut mich sehr.

Hatten Sie es schwer als Schauspielerin?

In der Schauspielerei ist es bestimmt schwieriger eine Frau zu sein, als ein Mann. Auch in der kleinen Schweiz. Nachdem meine Tochter auf die Welt kam, habe ich für mich entschieden: Jetzt ist sie das Wichtigste für mich. Und nachher kommt die Schauspielerei. Ich bin dann auch nicht ins Ausland, obwohl ich vorher Tournee gemacht habe und in Deutschland spielte.

Dazu kommt noch: In der Literatur hat es viel weniger Frauenrollen, also braucht es auch im Theater weniger Frauen, im Film weniger Frauen. Es braucht überall weniger Frauen. Es ist schwieriger als Frau.

Vor allem wegen mangelnden Rollen oder auch sonst?

Auch wegen der Altersfrage. Das Äussere spielt eben eine sehr grosse Rolle. 40 ist eine Grenze, wo man schon denkt «Oh, die ist ja schon alt». Wenn eine Frau älter wird, wird sie eher einmal skeptisch angeschaut und dann sagt man auch mal, die kann nicht mehr vor die Kamera. Bei Männern wird das Gesicht vielleicht interessanter empfunden, wenn sie älter werden. Das finde ich ungerecht.

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«Parodieren ist ein Balanceakt»

1:23 min, vom 31.7.2017

Wären Sie gerne einmal jemand anderes gewesen?

Ja, immer! Ich wollte immer jemand anderes sein. Darum auch die Begeisterung für den Beruf. Ich kann eine Junge, eine Alte, eine Schöne, eine Hässliche, ein Mann, eine Frau sein – und dann noch die verschiedenen Sprachen. Das war für mich das Grösste.

Birgit Steinegger in ihren verschiedenen Rollen.

Bildlegende: Birgit Steinegger unter anderem als Frau Iseli, Nicki Pfund, Frau Schruppatelli, Oma Pfund und Rosmarie Pfund. Keystone

Was ist Ihre Lieblingsrolle und warum?

Ich habe so viele Rollen, die ich irrsinnig gern gespielt habe. Ich kann mich nicht auf eine festlegen. Im Theater ist es schwer und wenn ich auf die Fernsehrollen angesprochen werde, dann ist klar: Die beiden Hauptfiguren von «Total Birgit» gehören dazu. Frau Iseli und Frau Schruppatelli.

Sind einige Rollen ähnlich wie Sie?

Sicher, man holt ja immer etwas von sich selbst hervor.

Was haben Sie von Frau Iseli?

Ich beneide Frau Iseli. Ich wäre sehr gern so offen wie sie. Sie kann das Kind direkt beim Namen nennen, hat Mut, steht hin und sagt, was sie denkt. Ich bin dort doch sehr viel gehemmter. Ihre Unverfrorenheit habe ich leider nicht.

Ah und Frau Schruppatelli ist so eine Gute und Fröhliche. Sie will immer Frieden machen. Das ist übrigens etwas, das ich als Kind immer gesagt habe. Ich habe es gehasst, wenn wir Zuhause Streit hatten, vollkommen egal in welcher Konstellation.

«Geboren am ...»

Historische Ereignisse unter einer Lupe

SRF

In der Sommerserie «Geboren am…» erzählen wir Geschichten von Menschen, die eines verbindet: Sie kamen am gleichen Tag zur Welt. Jede Folge zeigt drei Lebenswege, die unterschiedlicher nicht sein könnten. «Geboren am...»:

Sendungshinweis

Die fünfte Folge von «Geboren am…» mit Birgit Steinegger wird am Mittwoch, 2. August 2017, 20:05 Uhr auf SRF1 gezeigt.

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