«Ohne Einbildung hat man keine Ausbildung»

Hausi Leutenegger verliess sein Elternhaus mit 300 Franken und kommt Jahre später als Millionär zurück. Im Interview spricht er über seine Kindheit und die Bedeutung von Geld.

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«Ich hatte schon immer einen Grössenwahn»

0:17 min, vom 21.7.2017

Hausi Leutenegger, Sie sind 1940 geboren. Wie erlebten Sie die Kriegsjahre?

Ich war grausam fasziniert. Pfadfinder- und Militäruniformen waren heilig für mich. Ich las alles über den Koreakrieg. Später, wäre ich fast selber in den Krieg gezogen. Ich ging per Autostopp nach Colmar, um zu schauen, wo man sich für die Fremdenlegion anmeldet – zum Glück habe ich es dann aber nicht gemacht.

Wie sind Sie aufgewachsen?

Wir Kinder wuchsen in sehr einfachen Verhältnissen auf und wurden streng katholisch erzogen. Auch später als Jugendlicher durfte man keine Beziehungen haben. Es gab keine Pille, es gab nichts. Der Vater hat geschworen am Tisch: «Kommt ja nie mit einer schwangeren Freundin!» Da warst du automatisch sexuell verklemmt. Wir haben sicher manchmal ein Verhältnis gehabt, aber alles harmlose Geschichten. Vor lauter Angst sie werde schwanger, haben wir – bevor wir angefangen haben – schon wieder aufgehört.

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«Ich wollte kein Niemand sein»

1:19 min, vom 21.7.2017

Sie sind ein Selfmade-Millionär. Wie war das, mit der ersten Million?

Ich habe mich ganz schnell ans Geld gewöhnt. Ich brauchte es auch, ich musste meine Monteure davon bezahlen. Ich hatte eine Verantwortung meinen Leuten gegenüber, dass sie immer Arbeit haben.

Im Thurgau, wo ich herkomme, haben sie gesagt, das ist doch nicht möglich, dass ein Bauschlosserlümmel so eine Firma aufziehen kann. Da muss es eine Verbindung zur Mafia geben. Es konnte sich niemand vorstellen, dass ein Bauschlosser, so ein wilder Hund, der in der ganzen Welt herumspringt, so etwas aufbaut und die ganze Raiffeisenbank am Bichelsee zu einer Grossbank macht.

Was ist Geld für Sie?

Ja gut, es ist Beruhigung. Ich konnte mit dem Geld vielen vielen Leuten eine Freude machen. Jeder weiss, dass ich sehr grosszügig bin. Ich habe meiner Familie ein angenehmes Leben ermöglichen können. Ich habe meinen Brüdern, meinen Schwestern jede Reise zahlen können. Ich konnte Partys feiern. Ich konnte mit dem Geld sehr viel Gutes tun. Und es beruhigt.

Wenn man da herkommt, wo ich herkomme und mit 30 Jahren sagt dir der Treuhänder, «du bist Millionär» – da habe ich natürlich auf den Putz gehauen. In der gleichen Nacht habe ich den Champagner «chlöpfen» lassen. Das war ein schönes Gefühl, aber das Geld brauchte ich natürlich für meine Firma. Die Firma wurde immer grösser.

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Wieviel Geld haben Sie in der Hosentasche?

0:45 min, vom 24.7.2017

Sie verteilen auf der Strasse Geld und die Leute nehmen es ohne schlechtes Gewissen?

Sie wissen genau, es kommt von Herzen. Ich gebe gern. Ich habe so viel Freude dürfen erlebe dürfen und ich bin kein Geiziger. Viele Schweizer Promis – ich höre immer wieder von Promis, die nie ein Portemonnaie im Sack haben. Ich, Hausi Leutenegger, lasse mich seit ich 30 bin nie einladen zum Essen. Ich zahle das Zeugs selber. Man kann mich nach Hause einladen – zu Kartoffelstock und Hackbraten – aber nie im Restaurant.

Wissen Sie, was sparen ist?

Nein, ich habe nie gespart. Ich wusste, wer mich «bescheissen» will, aber klar, ich habe auch Geld verloren. Es ist so: Wenn der Apfel runterfällt und am Stamm bleibt, wird er lange nicht faul. Wenn er aber weiter wegfällt und den Stamm vergisst, wird er faul. Man darf im Leben nie vergessen, woher man kommt. Ich habe das nie vergessen. Mich haben die einfachen Leute fürs Leben gern. Viele Spinner. Heute aber haben mich alle gern, ich habe keine Neider mehr. Ich bin ein älterer Herr geworden und viele haben Freude, dass es mich überhaupt noch gibt.

Was für ein Vater waren Sie?

Als meine Kinder klein waren, hatte ich keine Zeit für sie. Ich war am Bobfahren, bin in der Welt rumgesprungen. Aber als sie schulpflichtig wurden, bin ich jeden Winter mit ihnen Ski gefahren. Weihnachten, Ostern, Sommerferien – waren für mich heilig. Und habe ihnen natürlich alles durchgelassen. Meine Frau war streng mit den Kindern.

«  Ich war nicht der bravste Mann auf dieser Welt… »

Wie wichtig ist Ihnen Geld heute?

Ab 70 ist Geld nicht mehr das Wichtigste. In den jungen Jahren war es enorm wichtig, da konntest du tun und machen und alle hatten Freude, aber wenn du älter wirst, nein. Ich könnte leben ohne Geld, ich könnte heute. Im Himmel oben brauch ich keins, im Himmel oben, da fängt es wieder von vorne an, das Theater.

Wenn Sie mal sterben, kommen Sie in Himmel, Hölle oder Fegefeuer?

Darüber studiere ich auch. Ich war nicht der bravste Mann auf dieser Welt… Es ist wichtig, dass man mit den Mitmenschen korrekt umgeht. Ich war immer gut zu den Menschen, zu meinen Angestellten auch.

«Geboren am…»

Bilderrahmen mit drei Ereignissen: Flugzeug, Unruhen, ein Mann mit Armbrust

SRF

In der Sommerserie «Geboren am…» erzählen wir Geschichten von Menschen, die eines verbindet: Sie kamen am gleichen Tag auf die Welt.

Sendehinweis

Die vierte Folge von «Geboren am…» mit Hausi Leutenegger wird am Mittwoch, 26. Juli 2017, 20:05 Uhr auf SRF1 gezeigt.

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