Majuli - Ein Inselvolk trotzt den Fluten

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Nur schwer trennt sich Rupali Khatoniya von ihrem jüngsten Kind. Auf dem Land ist es in Indien noch immer üblich, dass sich Frauen den Entscheidungen der Männer beugen. Die Mönche des Klosters Uttar Kamabalari wollen den vierjährigen Knaben schon seit einiger Zeit in ihren Reihen aufnehmen.

In einer Klosterwohnung, einem sogenannten Boha, soll Lohit künftig mit den Mönchen leben, beten und arbeiten. Nun ist es so weit. Lohit wird sein Elternhaus für immer verlassen. Dass die Eltern ihren Sohn verlieren, ist auch ein Opfer an die Götter. Damit soll Unheil von den Menschen ferngehalten werden. Majuli darf nicht noch mehr Land an den Fluss verlieren.

Der Brahmaputra zählt zu den mächtigsten Strömen der Welt. Er entspringt in Tibet und mündet in den Ganges. Bis zu 30 Kilometer ist er breit. 1950 hatte ein Erdbeben den Lauf des Flussbetts verändert. Seitdem tritt der Strom jeden Sommer während der Monsunmonate über die Ufer. Bei den letzten grossn Überschwemmungen 1998 und 2008 riss er mehrere Ortschaften mit sich fort.

Rund 150 000 Menschen auf Majuli und seinen zahlreichen Nebeninseln trotzen den Fluten. Die meisten sind Selbstversorger und arbeiten als Bauern oder Fischer. Wer Haus und Hof in den Fluten verliert, zieht meist zu Verwandten. Die Menschen auf Majuli rücken immer näher zusammen. In 20 Jahren, so lauten Prognosen, wird von Majuli nichts mehr übrig sein. Obwohl die Bevölkerung seit Jahren um Rettungsmassnahmen fleht, bleibt die Provinzregierung untätig.

Können die Götter helfen? Wie wird sich Lohit in das neue Klosterleben einfügen? Vor 20 Jahren zog der Mönch Dinonath Baruah - wie Lohit heute - ins Kloster ein. Jetzt, als junger Mann, ist er selbst an der Reihe, den kleinen Novizen auszubilden. Dinonath will sich Lohits Erziehung annehmen und, mit etwas Glück, akzeptiert ihn Lohit als Ersatzvater.

«360° - GEO» begleitet Lohits erste Schritte auf dem Weg zu einem angesehenen Kindermönch.