Oscar-Reden: Wenn die Filmstars schluchzen und stammeln

Der Gewinn eines Oscars ist für einen Schauspieler das Grösste. Bei den Dankesreden verschlägt es da auch den Vollprofis in Hollywood schon mal die Sprache. Sehen Sie hier Tränen, Jubelschreie, Gestammel und spontanen Wahnsinn aus den letzten Jahren.

Gefühlte 57 Mal bedankte sich Halle Berry im Jahr 2002 für ihren Oscar. Sie schluchzte und stammelte «Oh mein Gott, oh mein Gott! Es tut mir leid.» Die Schauspielerin hatte soeben als erste Schwarze den Preis für die beste Hauptrolle in «Monster's Ball» bekommen. Da wird man sich ja mal freuen dürfen. Die Zuschauer der Oscar-Verleihung nahmen ihr die spontanen Freudentränen bestimmt nicht übel. Denn die Reden gehören zu den Highlights der Academy Awards. Ganz egal, ob sie gelungen sind oder nicht.

Gwyneth Paltrow ist ihre Oscar-Rede heute peinlich

Als weniger gelungen darf man den Gwyneth Paltrows Oscar-Auftritt im Jahr 1998 bezeichnen, obwohl sie damals für «Shakespeare in Love» gewann. Die Schauspielerin stammelte zunächst gerührt vor sich hin, schaffte es dann aber, ihre Rede zu halten. Doch gegen Ende schluchzte sie nur noch und dankte inbrünstig ihrem Grossvater, der damals sehr krank war. Gerüchten zufolge soll ihr der Auftritt heute so peinlich sein, dass sie ungern an ihren Oscar erinnert wird.

Julia Roberts

Bildlegende: Grosse Freude Julia Roberts fuchtelte mit den Armen und kicherte vor Freude. Reuters

Schöne Erinnerungen an die Oscar-Nacht dürfte Julia Roberts haben. 2001 gewann sie für ihre Rolle in «Erin Brokovich». Darüber freute sie sich so sehr, dass die Dankesrede überschwänglicher kaum hätte sein können. Sie fuchtelte mit den Armen, jauchzte und kicherte vor Freude. Dabei blickte die Preisträgerin immer wieder nervös auf den Dirigenten, der nur darauf wartete, sie mit einem Tusch von der Bühne zu komplimentieren. «Ich sehe dich, Taktstock-Mann», rief sie ihm zu. Nur um danach trotzig zu quietschen: «Yeah, ich liebe es hier oben!»

Tränen von Octavia Spencer

2012 kam eine emotionale Rede von Octavia Spencer, der ausgezeichneten Nebendarstellerin aus dem Rassendrama «The Help». Sie gewann ihren ersten Oscar und bedankte sich unter Tränen für den «heissesten Kerl im Saal».

Ziemlich speziell war der Auftritt von Adrien Brody im Jahr 2003, als er den Oscar als bester Hauptdarsteller für «The Pianist» erhielt. Zuerst küsste er demonstrativ und filmreif die Laudatorin Halle Berry. Dann hielt er eine flammende Rede gegen den Krieg im Irak. Selbst als das Orchester zu spielen begann, hörte Brody nicht auf – obwohl dies bei den Oscars ein klares Zeichen ist, die Bühne freizugeben. «Lasst den Quatsch», schnauzte er die Musiker an. Und redete unbehelligt weiter.

Roberto Benigni dankte vor allem Sophia Loren

Viel geredet hat auch Roberto Benigni im Jahr 1999. Verstehen konnte man jedoch nicht alles, was er in rasselndem Englisch mit italienischem Akzent von sich gab. Der italienische Schauspieler («La vita è bella») dankte vor allem seiner Landsfrau Sophia Loren, die ihm den Oscar überreichte. Zuvor hatte er im Saal auf den Sitzen herumgetanzt. So sieht Freude aus – und auf solche Momente wartet das Fernsehpublikum in der Oscar-Nacht jedes Jahr aufs Neue.