Brunei: Viel Gold, Geld und eine Halbschweizerin

Eine Herrscherfamilie, die seit über 500 Jahren am Ruder ist. Ein Prinz, der seine Jacht «Titten» nennt. Eine Halbschweizerin, die bei ihrer Hochzeit einen Brautstrauss aus purem Gold trägt: Das ist das Sultanat Brunei – beleuchtet im Rahmen einer losen «g&g»-Serie über etwas andere Königshäuser.

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Die Halbschweizerin Sarah heiratet den Kronprinzen von Brunei

27 min, aus Reporter vom 15.3.2006

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Nicht so in Brunei. Dort glänzt fast nur Gold. Brunei ist reich, dank schwarzem Gold. Einkommenssteuer? Gibt es nicht. Bildung und Gesundheitswesen? Gratis. Benzin? Spottbillig. Brunei ist reich, auch dank seinem Herrscher, seiner Majestät Sultan Haji Hassanal Bolkiah Mu'izzaddin Waddaulah.

Und der zeigt seinen Wohlstand: Er lebt in einem Palast mit 1788 Zimmern, von Tonnen italienischen Marmors umgeben, leistet sich eine Ferrari-Flotte. Ein Luxus, den die Untertanen der Queen von Grossbritannien nicht dulden würden, die Bevölkerung Bruneis aber nimmt es gelassen.

Des Sultans Bruder: Ein Playboy

Selbst dann, wenn nachts die Ampeln in der Hauptstadt auf Rot geschaltet wurden und der Sultan mit seinem jüngeren Bruder Prinz Jefri die Strassen in eine Rennstrecke verwandelte. Doch diese Zeiten sind längst vorbei.

Prinz Jefri gilt heute als Enfant terrible der Familie, als Playboy. Ein paar Beispiele: Er gab einst bis zu 50 Millionen Dollar aus. Pro Monat. Er leistete sich noble Karossen – je mehr Pferdestärken desto besser. Er besass einen Helikopter, acht Privatjets für sein Leben im Jetset. Er konnte fünf Schiffe sein Eigen nennen, darunter eine Jacht namens «Titten», die zwei Begleitboote wurden auf «Nipple 1» und «Nipple 2» getauft. Die Bezeichnung mag etwas erstaunen in einem Land, dessen Staatsreligion der Islam ist.

Doch Jefri fiel, nachdem in den 90er-Jahren ans Licht kam, dass er in seiner Funktion als Bruneis Finanzminister 14,8 Milliarden Dollar unterschlagen hatte. Jefri musste ins Exil. Es kam zum Zwist zwischen den Brüdern.

Einführung der Scharia

Im Mai 2014 führt der herrschende Sultan die Scharia, das religiöse Gesetz des Islam, ein. Es gibt drei Phasen der Einführung. In Phase eins wird unter anderem die Nichtbeachtung des Fastenmonats Ramadan mit Geld- oder Haftstrafen gebüsst. In Phase zwei werden Vergehen wie Diebstahl oder Alkoholkonsum mit Auspeitschen oder Amputieren von Gliedmassen bestraft. In Phase drei droht dann die Todesstrafe bei Ehebruch, Sodomie und wenn Mohammed beleidigt wird. Wie die Bevölkerung darauf reagiert? Kritik wird nicht laut. Ob aus Angst vor Verfolgung oder weil die Scharia akzeptiert ist, ist nicht bekannt.
Der Sultan von Brunei mit seiner Erstfrau (l.) und seiner dritten Frau, von der wieder geschieden ist.

Bildlegende: Mehrfachehen erlaubt Der Sultan von Brunei mit seiner Erstfrau (l.) und seiner dritten Frau, von der er wieder geschieden ist. Reuters

Glück in der Schule gefunden

Der Sultan ist verheiratet mit Ihrer Majestät Raja Isteri Pengiran Anak Hajjah Saleha. Seit 1965 ist sie seine Ehefrau – und Erstfrau. Zwei weitere Frauen heiratete der Sultan. Diese Lieben hielten nicht. 2003 liess er sich von einer Flugbegleiterin scheiden, 2010 von einer Fernsehreporterin. Er war unliebsame Frauen los, sie Titel und Orden.

Von drei Frauen hat der Sultan 12 Kinder. Darunter den Kronprinzen Haji Al-Muhtadee Billah. Ein Musterknabe. Die einzige Sorge der Herrscherfamilie: eine dem Hof genehme Frau zu finden. 2004, inzwischen 31, war er noch immer frauenlos. Als er eines Tages einer Schule in der Hauptstadt von Brunei einen offiziellen Besuch abstattete, trafen ihn Amors Pfeile. Er verliebte sich in Sarah Salleh. 16 Jahre jung. Tochter eines Bruneiers und einer Schweizerin. Verlobung und Vermählung folgten noch im selben Jahr.

Der Kronprinz von Brunei heiratet die Schweizerin Sarah.

Bildlegende: Start in ein neues Leben Sarah wird die erste Königin Bruneis, die nicht aus dem engeren Familienkreis stammt. Reuters

Am 9. September 2004 gaben sie sich das Jawort. Umgeben von viel Prunk und Pomp. Sie liessen sich feiern vom Volk. In einem Rolls Royce, den es nicht von der Stange gab. Aus purem Gold und Diamanten war auch Sarahs Brautstrauss.

Ein Leben im goldenen Käfig

Mit der Hochzeit veränderte sich für die in Brunei geborene Sarah alles. Am Tag der Verlobung zog sie mit ihren Eltern in einen Mini-Palast mit Angestellten und rotem Teppich, Pool und Basketballplatz. Ihre Mutter Suzanne Rahaman Aebby aber sagte in der SRF-Sendung «Reporter»: «Vieles ist ähnlicher als man denkt.»

Sarah – oder wie sie seit ihrer Vermählung heisst: Yang Teramat Mulia Paduka Seri Pengiran Anak Isteri Sarah – schenkte dem Kronprinzen zwei Kinder. Es werden wohl nicht die einzigen bleiben – und auch Sarah wird wohl nicht die einzige Frau an der Seite des künftigen Herrschers bleiben.

Die etwas anderen Königshäuser

«glanz & gloria» wirft in einer fünfteiligen Serie einen Blick auf etwas andere Königshäuser und ihre Royals. Es ist eine Reise nach Jordanien, Brunei, Japan, Tonga und in den Westen Australiens.