Skandale oder Gesundheit: Warum dankt Juan Carlos früher ab?

Am Montagmorgen verkündete der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy, dass Juan Carlos von Spanien nach fast 40 Jahren auf dem Thron abdankt. Dafür wird extra die Verfassung geändert. Doch warum macht der 76-Jährige frühzeitig nun doch Platz für seinen ältesten Sohn, Kronprinz Felipe?

König Juan Carlos

Bildlegende: Bald nicht mehr auf dem spanischen Thron König Juan Carlos. Reuters

Der 76-Jährige genoss über Jahrzehnte ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Beim friedlichen Übergang von der Diktatur unter Francisco Franco zur Demokratie in den 1970er-Jahren spielte er eine entscheidende Rolle. Wegen einer Reihe von Korruptionsskandalen und anderer Fehltritte ist das Ansehen des Königshauses zuletzt aber gesunken. In einer Umfrage sprachen sich zwei Drittel der Spanier dafür aus, dass Juan Carlos als König abdanken sollte.

Elefantenjagd in Botswana

Vor allem seine Reise zur Elefantenjagd nach Botswana sorgte im April 2012 nicht nur in Spanien, sondern weltweit für Empörung. Das Pikante daran: Er war zum damaligen Zeitpunkt Ehrenpräsident des WWF, einer der grössten Naturschutzorganisationen der Welt. Ausserdem stiess es den Spaniern sauer auf: Während das Land in einem wirtschaftlichen Chaos versank, genehmigte sich der König eben mal schnell eine Luxusreise nach Afrika.

Affäre mit deutscher Prinzessin?

Im selben Monat geriet der König wieder in die Schlagzeilen. Angeblich soll Juan Carlos eine Affäre mit einer deutschen Prinzessin unterhalten haben.

Korruptionsskandal um Juan Carlos' Schwiegersohn

Damit aber nicht genug. Sein Schwiegersohn Iñaki Urdangarín steckt seit Jahren in einem Korruptionssumpf und muss sich deswegen bis heute vor Gericht verantworten. Dem ehemaligen Handball-Star wird vorgeworfen, über die gemeinnützige Stiftung Instituto Nóos Geld der Regionalregierungen veruntreut zu haben. Es soll sich um mehrere Millionen Euro handeln. Selbst seine Ehefrau, Infantin Cristina steht im Verdacht, darin verwickelt zu sein.

Gesundheitliche Probleme

Dazu kam, dass es dem König gesundheitlich immer schlechter ging. Er musste in den letzten Jahren mehrmals an der Hüfte operiert werden. Zuletzt konnte er nur noch am Stock gehen. Viele Spanier sahen in ihm nicht mehr den richtigen Repräsentanten.

Juan Carlos, Felipe und Letizia

Bildlegende: Der Noch-König und der Bald-König Juan Carlos, Felipe und Letizia. Reuters

Spanier standen nicht mehr hinter ihrem König

Schliesslich sprachen sich 62 Prozent der Spanier im Januar 2014 dafür aus, dass der Monarch abdanken soll. Die Onlinezeitung «Elpais.es» schrieb damals: «Die Monarchie steht vor einem neuen Leidensjahr.» Die Monarchie wanke gefährlich, meinte auch die Zeitung «El Mundo». Innerhalb nur eines Jahres sank demnach der Anteil der Spanier, die die monarchistische Staatsform unterstützen, auf 41,3 Prozent.

Die Entscheidung des Königs traf das Volk dennoch völlig überraschend. Der Monarch hatte eine Abdankung bislang strikt ausgeschlossen. Ob wegen der Skandale oder aus gesundheitlichen Gründen – der Weg für seinen ältesten Sohn Felipe ist nun frei.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Juan Carlos tritt ab

    Aus glanz und gloria vom 2.6.2014

    Der spanische König Juan Carlos übergibt die Krone seinem Sohn Felipe. Der 76-Jährige kam 1975 auf den Thron. Er hatte den Übergang des Landes von der Franco-Diktatur zur Demokratie entscheidend mitgeprägt. Zuletzt sorgte er aber vor allem mit diversen Skandalen für Schlagzeilen, etwa mit Liebesaffären, Gerüchten um uneheliche Kinder und einer Elefantenjagd.