Profi-Bergsteiger Ueli Steck nimmt eine Auszeit

Ueli Steck hat eine intensive Zeit hinter sich. Der Angriff von Sherpas am Mount Everest steckt dem Schweizer Profi-Bergsteiger noch immer in den Knochen. Jetzt gönnt er sich eine Auszeit.

Ueli Steck

Bildlegende: Braucht etwas Ruhe Ueli Steck möchte sich jetzt nach den Ereignissen am Everest erst mal ein wenig Erholung gönnen. zVg

«Ich bitte Euch alle um Verständnis, wenn ich nun eine persönliche Auszeit in Anspruch nehmen werde. Meine Kräfte – auch sie sind nicht unerschöpflich! – neigen sich dem Ende zu. Ich benötige eine Zeit der Ruhe, um mich innerlich neu zu orientieren, neue Kraft zu tanken und wieder einen klaren Blick für meine Zukunft zu erhalten.» Diese Worte schreibt Prof-Bergsteiger Ueli Steck am Freitag in einem «persönlichen Brief» an seine Freunde – respektive an die Medien.

Weiter spricht Steck in seinem Brief von einem «Wechselbad der Gefühle». «Die letzten Tage und Wochen waren geprägt von einem Wechselbad der Gefühle. Noch immer sitzt der Schock nach den für mich schwer erklärbaren Ereignissen am Everest tief.»

Er müsse zugeben, dass ihn diese Ereignisse «tief erschüttert» hätten. «Und ich noch heute – vor allem in langen Nächten – unter den Auswirkungen leide. Mein Innerstes ist tief getroffen.»

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Ueli Steck im Interview

4:15 min, aus 10vor10 vom 6.5.2013

Bereits am Montagabend im Interview mit «10vor10» sagte Ueli Steck, dass er seine Zukunft als Profi-Bergsteiger nach diesen Ereignissen überdenken müsse. Vielleicht wolle er nur noch für sich selber bergsteigen. «Das wird ein grosser Entscheid für mich», so der Berner.

Ueli Steck und das verhängnisvolle Ereignis am Everest

Die handgreifliche Auseinandersetzung ereignete sich Ende April in der Nähe des Camps 3 am Mount Everest. Beim Aufstieg trafen Steck und seine Begleiter, der Italiener Simone Moro und der Brite Jonathan Griffith auf eine Gruppe Sherpas, die am Berg Fixseile montierten.

Um das Biwak zu erreichen, mussten Steck und seine Begleiter die Fixseile überqueren. Die Sherpas hätten sich dadurch in ihrer Arbeit behindert gefühlt. Der Chef-Sherpa sei ausgerastet. «Es war unmöglich, mit ihm zu reden», schilderte Steck seine Sicht der Ereignisse.

 Der Chef-Sherpa habe mit seinem Pickel eine Drohgebärde gemacht, worauf Moro den Mann beschimpfte. «Das war ein schlechtes Wort», räumte Steck ein. Daraufhin seien sie abgestiegen zum Camp 2. «Dort warteten sie schon auf uns», erzählte Steck. 80 bis 100 Sherpas, zum Teil vermummt und mit Steinen in den Händen. Der Chef sei sofort auf ihn zugekommen und habe ihm einen Faustschlag verpasst und ihm den Stein auf den Kopf geschlagen. Schliesslich gelang es, die Angreifer abzuhalten und Steck und seine Begleiter traten den Rückzug ins Tal an.

Einige Tage später unterzeichneten die am Streit Beteiligten eine Vereinbarung. Darin wurde unter anderem festgehalten, dass es sich um einen «unglücklichen Zufall» handelte. Moro entschuldigte sich für seinen Kraftausdruck.

Ereignisse lösten Kommerz-Debatte aus

Die Ereignisse am Berg wurden in den darauffolgenden Tagen in der internationalen Presse und natürlich auch in Bergsteigerkreisen intensiv diskutiert. Augenzeugen interpretierten den Vorfall durchaus unterschiedlich. So wurde auch Kritik laut an Steck und seinen Begleitern, dass sie sich über Anweisungen der Sherpas hinweggesetzt hätten. Andere Stimmen übten Kritik an der Kommerzialisierung der Everest-Besteigungen. Die Gemeinschaft am Everest müsse laut Steck eine Lösung finden, wie zwischen Sherpas und Bergsteigern wieder eine von Respekt und Achtung geprägte Beziehung gepflegt werden könne.

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