Ausländer bleiben oder Schweizer werden?

Die Zahlen belegen: Für sehr viele Zuwanderer läuft es gut mit der Einwanderung. Sie finden Arbeit und Freunde, sind sozial integriert. Früher oder später stellen sich viele von ihnen dann die Frage: «Soll ich Schweizer werden?»

Schweizer Pass und Deutscher Pass

Bildlegende: Im letzten Jahr wurden in der Schweiz 33'000 Einwanderer eingebürgert. Keystone

Wer seit mindestens zwölf Jahren in der Schweiz lebt oder seit mindestens drei Jahren mit einer/m Schweizer/in verheiratet ist und mindestens fünf Jahre lang in der Schweiz gelebt hat, darf sich für eine Einbürgerung bewerben.

Christian Helm sagt es während der Dreharbeiten zu «Grüezi Schweiz – die Einwanderer» mehrmals: «Ich kann mir sehr gut vorstellen, mich eines Tages für den Schweizer Pass zu bewerben.» Der Deutsche ist bestens integriert in seiner neuen Heimat Schweiz. «Wenn in zwölf Jahren mein Lebensmittelpunkt immer noch in der Schweiz sein wird, wäre es für mich eine Ehre, Schweizer werden zu dürfen.»

Das politische Leben mitgestalten

Der Franzose François B. sieht das ähnlich. Er lebt seit 15 Jahren in der Schweiz und will bald ein Einbürgerungsgesuch stellen. Er möchte in seiner neuen Heimat das politische Leben mitgestalten dürfen. «In der Schweiz gibt es viele Möglichkeiten, aktiv am politischen Leben teilnehmen zu können», schwärmt er, «da möchte ich gerne dabei sein.» François B. nennt die Schweiz seine Heimat. Und in seiner Heimat ist er nicht mit allem einverstanden, was die Politiker sagen und tun. Deshalb möchte er aktiv mitentscheiden können.

Für den Deutschen Matthias R. hingegen ist der Schweizer Pass kein Thema, auch wenn er seit mehr als 13 Jahren in der Schweiz lebt und hier sehr glücklich ist. «Ich werde oft gefragt, wo ich leben möchte, und meine Antwort ist seit vielen Jahren die gleiche: Hier in der Schweiz», sagt er. Er hat viele Schweizer Freunde. «Aber um hier integriert zu sein, brauche ich keinen roten Pass», sagt er. «Ich bin Deutscher und bin auch nach vielen Jahren nicht zum Schweizer geworden, auch wenn ich hier Land und Leute liebe», führt er aus, «und ich bin mir auch nicht sicher, ob meine Schweizer Freunde mich plötzlich als Schweizer sehen würden, nur weil ich den roten Pass habe.»

Und was sagen die Schweizer?

Für viele Schweizerinnen und Schweizer kommt es auf die Beweggründe an, die Einwanderer dazu bringen, ein Einbürgerungsgesuch zu stellen. Regula S. zum Beispiel sieht grosse Unterschiede. «Auch wenn ich es letztlich nicht genau weiss, habe ich doch bei einigen das Gefühl, dass sie vor allem von unseren Sozialleistungen profitieren möchten», sagt sie. «Mir ist es wichtig, zu sehen, dass sich die Kandidaten für eine Einbürgerung auch wirklich bemühen, sich zu integrieren.»

Christian Helm engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Aargau

Bildlegende: Christian Helm (dritter v. l.) hat sich in der Schweiz schnell integriert. SRF

Integration wichtiger als Einbürgerung

Christian Helm aus «Grüezi Schweiz – die Einwanderer» engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr im Aargau und ist auch als Ausländer bestens integriert. Für Christian Helm ist es zwar noch ein weiter Weg bis zu einer möglichen Einbürgerung. Trotzdem engagiert er sich schon heute in seiner Neuen Heimat. «Die Schweiz bietet mir ein sicheres Leben, da möchte ich auch gerne etwas zurück geben.»

Zum Autor

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Mitja Rietbrock arbeitet seit 2012 als Reporter und Produzent im Team von «DOK-Serien». Er hat den Neustart der deutschen Familie Helm in der Schweiz dokumentiert.

«Grüezi Schweiz – die Einwanderer», (5/5) Freitag, 3. Juli 2015, 21.00 Uhr, SRF1