Neubeginn in der Schweiz Spagat zwischen den Kulturen

Die Schwestern Rawan und Razan haben durchlebt, was andere seit Jahren immer wieder auf Bildern sehen. Den Krieg in Syrien. Die Flucht aus ihrer Heimat. Die gefährliche Überfahrt. Die Rettung auf hoher See. Das Auffanglager in Lampedusa. Dann das Ende der Flucht, vor zwei Jahren, in der Schweiz.

Ein Porträt von Rawan Al Sheikh.

Bildlegende: Neues Zuhause im Tessin: Rawan flüchtete mit ihrer Familie aus Syrien. SRF

Zusammen mit ihren Eltern, einer kleineren Schwester und einem kleineren Bruder leben Rawan und Razan jetzt in der Nähe von Chiasso. Dem Asylgesuch der Familie wurde stattgegeben, die beiden Mädchen gehen in der Schweiz zur Schule, sprechen fliessend italienisch und sind gut integriert. «Als wir auf dem engen Boot voller Menschen im Meer trieben, dachte ich, wir müssten sterben», erinnert sich Razan an ihren verzweifelten Versuch, Europa zu erreichen. «Als wir dann das Flugzeug der Marine sahen, konnte ich vor Freude nicht mehr aufhören zu weinen.»

Fotos erinnern an die gefährliche Flucht vor dem Krieg. Bilder, die die beiden syrischen Mädchen auch ihren neuen Freundinnen in der Schweiz zeigen. Beide sind in ihrer Klasse beliebt. Für das, was hinter ihnen liegt und für ihre schnelle Integration ernten sie immer wieder aufs Neue den Respekt ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler.

Die Eltern tun sich schwerer mit der Integration

Ein Porträt von Razan Al Sheikh.

Bildlegende: Razan (im Bild) und ihre Schwester Rawan versuchen zwischen den Kulturen ihren Weg zu finden. SRF

Auch zwei Jahre nach ihrer Ankunft in der Schweiz sprechen Rawans und Razans Eltern nicht die Sprache des Landes, das ihnen eine neue Heimat bietet. Und auch wenn es um Fragen der Kultur und Identität geht, blicken Eltern und Kinder oft in unterschiedliche Richtungen.

Bei der Frage des Kopftuches zum Beispiel scheiden sich ihre Geister. Während Vater und Mutter das Tragen des Kopftuchs für selbstverständlich halten, haben ihre beiden Töchter die Werte der westlichen Welt soweit übernommen, dass sie nur noch in Ausnahmefällen wie Ramadan ein Kopftuch tragen wollen. Und auch dann nur zum Gebet.

So versuchen Rawan und Razan, zwischen zwei Kulturen zu navigieren. In der Schweiz entdecken sie vieles Neues. Ob sie zum ersten Mal in ihrem Leben ein christliches Gotteshaus betreten oder die ersten Ferien ihres Lebens ohne Eltern verbringen – ihre Vergangenheit ist immer dabei. Für die ganze Familie wird ihr neues Leben in der Schweiz zur Herausforderung, den Spagat zwischen den Kulturen zu meistern.

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