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Backstage Aus dem Terminkalender einer Hörspielregisseurin

Susanne Janson ist Hörspielregisseurin und -dramaturgin bei SRF. Hinter diesem Job verbirgt sich allerdings mehr als das Regieführen oder die Programmplanung. Für ihren Backstage-Bericht lässt sie die Donnerstage der letzten Monate Revue passieren – und verrät, was für sie die schönste Arbeit ist.

«Wir produzieren pro Jahr etwa 24 neue Hörspiele – nicht zu verwechseln mit Hörbüchern, die reine Lesungen sind», sagt Susanne Janson vom SRF Hörspiel.
Legende: «Wir produzieren pro Jahr etwa 24 neue Hörspiele – nicht zu verwechseln mit Hörbüchern, die reine Lesungen sind», sagt Susanne Janson vom SRF Hörspiel. SRF / Oscar Alessio

15. März: Ich arbeite im SRF-Studio Zürich Brunnenhof im Aufnahmestudio PR11. Autor Jens Nielsen und Kabarettistin Uta Köbernick sind da und nehmen zusammen eine «Früh-Stück»-Staffel auf (wer die «Früh-Stücke» nicht kennt: einfach mal kurz nach 6 Uhr morgens Radio SRF 2 Kultur einschalten). Ich versuche, die beiden aus der Regie ein wenig anzuleiten, kann mich aber meist zurücklehnen und mich an ihrer Performance erfreuen.

22. März: Geräusche-Recherche! Das ist die schönste Arbeit. Ich verkrieche mich in meinen Kopfhörern und der Geräuschdatenbank auf der Suche nach dem perfekten Geräusch, das ich für meine nächste Hörspielproduktion brauche. Schwierig ist es «Zweige, die einem Davonlaufenden ins Gesicht peitschen» zu finden (das werde ich später mit dem Techniker aus «raschelndes Laub» und «Knallen eines Ochsenziemers» zusammenbasteln). Schlussendlich werde ich etwa 400 Geräusche zusammengetragen haben, die dann im Studio ins Hörspiel einfliessen (also: nicht ganz alle …)

29. März: Treffen der «Tatort»-Gruppe! Der «ARD Radio Tatort» ist seit Jahren eine der beliebtesten Marken des deutschen Hörspiels. Wir beratschlagen in der Redaktion, ob es in Zukunft auch einen Schweizer «Radio Tatort» geben soll. Vieles muss besprochen werden: Entwickeln wir eine Geschichte auf Schweizerdeutsch oder Hochdeutsch (der Krimi wird im gesamten deutschsprachigen Raum ausgestrahlt)? Legen wir das Hauptaugenmerk auf die Ermittler oder auf einen ganz besonderen Fall? Soll die Atmosphäre an «Twin Peaks» oder «Schimanski» erinnern? Und das sind noch die einfachsten Fragen …

5. April: Ich treffe die Sprecherin Anette Herbst im SRF-Studio Basel auf dem Bruderholz und nehme mit ihr die Moderationen auf, die unsere Hörspiele im Radioprogramm rahmen. Die Moderationen haben meine Kollegen und ich im Vorfeld geschrieben und Anette ist unsere «Hörspiel-Stimme», die die Texte fürs Radio zum Leben erweckt.

12. April: Aufnahmewoche im Hörspielstudio H3 im SRF-Studio Basel. Das ist die schönste Arbeit! Ich habe sechs Schauspieler ins Studio bestellt, die mir den Text für das neue Hörspiel «Wir sind schön, für hässliche Leute» von Dany Boudreault einsprechen. Stundenlang arbeiten wir uns durch Dialogszenen und monologische Passagen; es wird wiederholt, besprochen, neu interpretiert, immer wieder ein Versprecher ausgemerzt. Die Abstände zum Mikro müssen stimmen. Dabei agieren die Schauspieler immer wieder auch szenisch und hantieren mit Requisiten. In der Regel brauchen wir für ein 50-minütiges Hörspiel drei Aufnahmetage. Dann folgen zwei Tage, an denen das Material geschnitten wird, danach folgt die Postproduktion.

19. April: Ein Tag in der Postproduktion und ich korrigiere mich wieder: Das ist die schönste Arbeit! Ich bin mit Tom Willen, unserem Hörspieltechniker, noch immer im Hörspielstudio. Alle anderen sind weg – wir sind mit den Sprachaufnahmen der Schauspieler, mit den 400 Geräuschen und mit eigens für das Hörspiel komponierter Musik allein. Stück für Stück arbeiten wir uns durch das Material: schneiden Schmatzer und Versprecher aus der Sprachspur, legen passende Geräusche an, generieren im Computer Räume (sprich: wir lassen die Schauspieler so klingen, als ob sie im Freien, in einer Kirche oder einem Abwasserkanal stehen) und legen die Musikspuren an. Jede Minute des neuen Hörspiels wird detailliert gebaut – nach fünf Tagen sind wir endlich fertig und zufrieden.

Worüber möchten Sie eine Backstage-Geschichte lesen?

Schreiben Sie uns. Die meistgenannten Themen werden wir umsetzen und in der Rubrik «Backstage» veröffentlichen.

Jeder weitere Donnerstag: brächte noch so viele unterschiedliche Sachen: Vorbesprechung mit Autoren, Manuskriptlektüre, Treffen mit Künstlern aus der freien Hörspielszene, Planung eines neuen Live-Hörspiels, Redaktion unseres nächsten Hörspielmagazins, Erstellen des Spielplans für die kommenden Monate, Besuch in Österreich bei den dortigen Hörspieltagen, Produktion einer weiteren Romanlesung mit einem Sprecher … und immer wieder Hörspiele hören und hören und hören und hören – und das ist die schönste Arbeit. Punkt.

SRF Hörspiel

SRF sendet pro Jahr rund 200 Hörspiele, davon etwa 24 neue Eigenproduktionen; an den übrigen Termine laufen Hörspiele aus dem deutschsprachigen Raum, aus der freien Szene oder Wiederholungen von SRF-Produktionen.

Susanne Jansons Lieblingsproduktion

Welche ihrer Hörspielproduktionen liegt Regisseurin und Dramaturgin Susanne Janson besonders am Herzen? Die Serie «Versailles, mon amour», die sie 2014 im Rahmen des SRF-Barock-Schwerpunkts selbst geschrieben und inszeniert hat. Sie besteht aus 10 Teilen zwischen 7 und 10 Minuten. Reinhören!