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Mona mittendrin «Nach fünf Minuten rannten sie immer schon weiter»

In dieser Folge wird Mona zum Flughafen geschickt. Als einziger Hinweis ein Zettel mit der Aufschrift «Hyecho PTY». Kurz darauf ist sie mittendrin, in einer fröhlich aufgekratzten Reisegruppe von Südkoreanern. Ein viertägiges Abenteuer, bei dem aus Fremden erstaunlich schnell Freunde werden.

Mona Vetsch mit einer Touristengruppe von verschneiten Bergen
Legende: Unterwegs mit einer südkoreanischen Reisegruppe: Mona mittendrin SRF

Hattest du vor den Dreharbeiten irgendeine Vorstellung, wie Südkoreaner so sind?

Keinen blassen Dunst. Als sich die Reisegruppe am Flughafen sammelte, wollte ich ein paar Herumstehende dazu holen. Da riefen alle entrüstet: «Aber das sind Japaner!» Ich bin voll rein ins Fettnäpfchen! Koreaner und Japaner haben seit dem Krieg ein sehr belastetes Verhältnis. Nur für mich sehen sie halt ziemlich gleich aus. Sehr peinlich. Als ich ihnen das gestand, haben sie alle gelacht: «Ihr Europäer seht doch auch alle gleich aus!» Grosse Augen, grosse Nasen. Für sie sind wir genauso schwierig zu unterscheiden wie sie für uns.

Ich hatte von Asiaten generell das Gefühl, sie seien unnahbar. Das stimmt überhaupt nicht!

Was für ein Bild haben die Koreaner von der Schweiz?

Heidi kannten alle. Dazu Wohlstand, Uhren, frische Luft. Die Natur und die Berge haben alle begeistert. Die meisten wohnen in engen Millionenstädten. Erstaunt waren sie, dass in der Schweiz auch die Dörfer auf dem Land gepflegt sind. Bei ihnen ist der Wohlstand in der Stadt und die Armut auf dem Land.

Und zwischendurch gab es dann doch auch mal Pause, zumindest für Foto
Legende: Und zwischendurch gab es dann doch auch mal Pause, wenigstens für Fotos SRF

Nach vier gemeinsamen Tagen: Wie würdest du das Wesen der Koreaner nun beschreiben?

Ich hatte von Asiaten generell das Gefühl, sie seien unnahbar. Das stimmt überhaupt nicht! Vielleicht kommt das daher, dass asiatische Gesichter für uns schwierig zu lesen sind. Und oft treten sie an den Ferienorten wie Luzern oder Interlaken in grossen Gruppen auf, da kommst du schwer persönlich in Kontakt. «Meine» Koreaner waren lustig, herzlich und neugierig. Nur Pause machen müssen sie noch lernen. Nach fünf Minuten rannten sie immer schon weiter!

Erstaunlich, wie gut sie über die Schweiz Bescheid wissen

Was hat dich am meisten an ihnen überrascht?

Wie gut sie über die Schweiz Bescheid wissen. Vom Söldnertum bis zum Föderalismus, sie haben mich mit Fragen gelöchert. Gar nicht verstehen konnten sie, warum das Schweizer Volk den Kauf von Militärflugzeugen an der Urne abgelehnt hat! Anders als die Schweiz hat Korea leidvolle Erfahrung mit Kriegen.

Du musstest viel wandern, bis zu sieben Stunden am Stück. Wie hast du es mit dem Schweizer Nationalsport?

Ich bin definitiv kein Wandervogel und habe es gleich mit der asiatischen Wander-Elite zu tun bekommen. Aber es war für uns alle krass, weil das Wetter so schlecht war. Es hat geschneit, mitten im Sommer. Erstaunlicherweise hat niemand in der Gruppe ausgerufen. Disziplin ist alles.

Sie fragen sehr schnell nach dem Alter

Alle aus der Reisegruppe waren älter als du und Asiaten ist Respekt vor dem Alter wichtig. Hast du davon etwas bemerkt?

Eine der ersten Fragen ist immer jene nach dem Alter. Bei uns wirkt das eher unhöflich. Koreaner müssen das aber wissen, weil sie andere Wörter benutzen, je nachdem ob jemand älter oder jünger ist als sie.

Was war dein schönster Moment auf dieser Reise?

Die Verabschiedung war unglaublich herzlich. Sogar Tränen gab es. Es ist schön zu erleben, dass es manchmal nur drei Tage braucht, und aus «fremd» wird «Freund».

Und wo bist du an deine Grenzen gestossen?

Bei der Sprache. Hätte ich die Koreanisch-Schweizerische Journalistin Hoo Nam Seelmann nicht als Übersetzerin gehabt, ich wäre der Gruppe nicht so nah gekommen.