«Der Entenfreund» von Gerhard Meister

Da verlässt einer in bestbezahlter Position und seit einem halben Jahr verheiratet sein Büro und geht mal eben - Enten füttern. Er kommt aber nicht mehr zurück. Verschwindet von der Bildfläche. Die Ehefrau ist in Aufruhr, ebenso die Firma und der düpierte Chef, der ihn angestellt hat.

Erzählt von einer Biografie mit Karriereknick: «Der Entenfreund».
Bildlegende: Ein Mann im Winter füttert Enten am See. Keystone

Gerhard Meister erzählt in seinem Stück vom radikalen Ausstieg eines Menschen aus dem streng ergebnisorientierten modernen Dasein flexibler, auf Konkurrenz und Herausforderungen begieriger Bürger mit zeitgemässer Familienplanung. Ausstieg oder Flucht? Die Hauptperson glänzt durch Abwesenheit, ist das Loch in der totalen Vernetzung. Das beschäftigt auch die Nachfolgerin im Job, die über den rätselhaften Abgang mehr wissen will, und eine Frau aus der Firma, die dem Aussteiger einmal sehr nahe gekommen ist, vermutlich näher als alle anderen. Und da macht sich ein grimmiger Nachbar am Fluchtort mit einer unheimlichen Freizeitbeschäftigung seine Gedanken.

Meister erzählt nicht chronologisch. Er lässt Begegnungen, Szenen und einsame Gedanken wie Scherben eines zerbrochenen Spiegels herumliegen, als Bruchstücke einer Biografie mit Karriereknick.

Mit: Katharina von Bock (Nachfolgerin), Jörg Schröder (Chef), Herlinde Latzko (Ehefrau), Till Kretzschmar (Schulfreund), Norbert Schwientek (Nachbar), Katja Reinke (Frau aus der Firma)

Musik: Philipp Schaufelberger - Tontechnik: Tom Willen - Regie: Claude Pierre Salmony - Produktion: SRF 2006 - Dauer: 72'

Gerhard Meister ist 1967 im Emmental geboren und dort aufgewachsen. Bis 2003 landesweit Auftritte im Duo «Geholten Stühle» und im Autorenkollektiv «Bern ist überall». Seine Stücke («Mieschers Traum», «Die Fluchtburg», das auch als Hörspiel bei SRF umgesetzt wurde) kamen in der Schweiz und in Deutschland auf die Bühne. Im Verlag «Der gesunde Menschenversand» erschien von ihm 2011 «Viicher & Vegetarier», 2013 das SRF-Hörspiel «In meinem Hals steckt eine Weltkugel» und 2016 die Gedichtsammlung «Eine Lichtsekunde über meinem Kopf».

Philipp Schaufelberger, geboren 1970 in Göttingen (D), lernt zuerst klassische Gitarre, später Studium an der Jazzschule Luzern. Er spielt in verschiedensten Formationen im Bereich Jazz und in verwandten Formen.

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Redaktion: Claude Pierre Salmony