«Der Tee der drei alten Damen» von Friedrich Glauser

Friedrich Glauser gilt als Vater und Geburtshelfer des Kriminalromans mit Schweizer Prägung. Sein erstes Werk ist eine wilde Kolportage, die um 1930 im gar nicht so diplomatischen Genf spielt. Die unkonventionelle, vielstimmige Milieustudie gilt als Vorstufe der berühmten Wachtmeister-Studer-Romane.

Friedrich Glauser
Bildlegende: Friedrich Glauser wikipedia

In den Strassen von Genf wird der vergiftete Sekretär eines englischen Diplomaten aufgefunden. Schon bald stellt sich heraus: der Mann hatte wichtige Staatspapiere bei sich, und diese sind verschwunden. Als der Vergiftete kurz darauf unter ominösen Umständen im Spital verstirbt, sind die in der Rhonestadt tätigen Agenten plötzlich hellwach. Amerikaner, Engländer, Russen, Inder – alle sind bestrebt, an Informationen zu gelangen. Und mittendrin die überforderte Genfer Polizei

Wer hat hier seine Finger im Spiel? Da ist zum einen der morphiumsüchtige Professor Dominicé, ein Fachmann für Gifte, der zufällig am Tatort war. Da ist zum anderen seine Haushälterin Madame Pochon, Medium und Zimmervermieterin, die bereits den zweiten ihrer Untermieter mit Wahnvorstellungen ins Spital einweisen lassen musste. Die Lage spitzt sich zu, als ein weiteres Opfer einer Vergiftung erliegt: der Apotheker Eltester, ein Hersteller von Hexensalben ...

Friedrich Glauser (1896–1938) versuchte sich bei seinem Debut, das zwischen 1931 und 1934 unter anderem in der psychiatrischen Anstalt Münsingen entstand, an einem eigenwilligen Agentenkrimi. Es ist ein buntes Setting: Maharadschas, Kommunisten, Drögeler, Satanisten und ein Trüppchen von teetrinkenden alten Damen bevölkern die undurchsichtige, aber gerade dadurch besonders reizvolle Geschichte.

Die Radio-Adaption von 1964 gehört zu den Perlen im Hörspiel-Archiv von SRF.

Mit: Leopold Biberti (Staatsrat Martinet), Kurt von Ruffin (Staatsanwalt de Morsier), Elfriede von Bastineller (Madame de Morsier), Georg M. Weth (Kommissär Pillevuit), Karlrobert Schäfer (Polizist Malan), Rainer Litten (Professor Domincé), Ebba Johannsen (Jane Pochon), Heiner Schmidt (Dr. Thévenoz), Maximilian Wolters (Wladimir Rosenstock), Claus Peter Schenkel (Jakob Rosenstock), Günter Heising (Isaak Rosenstock), Michael Arco (Sir Eric Rosé), Hans Hausmann (Crawley, sein Sekretär), Hans H. Hassenstein (Charles, Kammerdiener), Gerd Mayen (Simpson Cyrill OKey), Dorit Fischer (Dr. Madge Lemoine), Hubert Berger (Jaunet, Krankenwärter), Reto Babst (Pierre Nydecker), Judith Melles (Natascha Kuligina), Jaromir Borek (Konstantin Baranoff), Charlotte Asendorf (Agnès Sorel), Trudi Roth (Telefonfräulein), Walter Bremer (Auguste, Kellner)

Musik: Hans Moeckel - Tontechnik: Joe Adelmann, Maja Schaub - Hörspiel-Bearbeitung und Regie: Albert Werner - Produktion: SRF 1964 - Dauer Teil 1: 45', Teil 2: 47'

Das Hörspiel kann bis am 29.4.2018 nachgehört werden.

Redaktion: Reto Ott