«Der Verdacht» von Friedrich Dürrenmatt 8/8

Bärlachs Verdacht war berechtigt: Dr. Emmenberger ist der KZ-Arzt Nehle. Ein grausamer Mensch, mit einer noch grausameren Weltsicht, der Bärlach nichts entgegensetzen kann. Er ist ein alter, gebrochener Mann. Zumal Emmenberger droht, ihn am nächsten Morgen ohne Narkose zu operieren.

Operationsbesteck
Bildlegende: Emmenberger droht, Bärlach ohne Narkose zu operieren. Keystone

Die beiden Erfolgskrimis von Friedrich Dürrenmatt, «Der Richter und sein Henker» und «Der Verdacht» sind 1950/51 entstanden und waren zur Veröffentlichung als Fortsetzungen im «Beobachter» gedacht. Dürrenmatt brauchte damals dringend Geld.

Ohne diesen Druck wäre die wunderbare Figur des Kommissär Bärlach vielleicht nie entstanden. Dieser Kommissär Bärlach ist ein konservativer Freigeist, gottlos und doch von einer tiefen Humanität beseelt, rücksichtslos in seinem Vorgehen und doch mit einem grossen Einfühlungsvermögen. Bärlach ist ein Einzelgänger, beileibe kein Sozialist, aber er hat eine natürliche Solidarität mit den Schwachen, den Unterdrückten, den Ausgebeuteten.

Sein Gegenspieler, Dr. Emmenberger, ist der Inbegriff des bösen Menschen, ein radikaler Nihilist und Existenzialist, gefühllos und ohne Bedenken seine eigenen sadistischen Bedürfnisse lebend.

Kommissär Bärlach, obwohl auch er keinen Glauben hat und kein absolut verbindliches ethisches Wertsystem kennt, ist diesem Gegner nicht gewachsen.

SRF produzierte «Der Verdacht» 1999 als Lesung mit verteilten Rollen.

Mit: Franziskus Abgottspon (Erzähler), Franz Matter (Kommissär Bärlach), Daniel Reinhard (Dr. Hungertobel), Rudolf Kaspar (Blatter, Arbeiter), Walter Baumgartner (Lutz), Isabel Schaerer (Krankenschwester), Ingold Wildenauer (Gulliver), Michael Gempart (Fortschig), Peter Kner (Dr. Emmenberger), Isabelle Menke (Dr. Marlok), Alice Brüngger (Schwester Kläri)

Regie: Manfred Mixner - Produktion: SRF 1999 - Dauer: 23‘

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Redaktion: Susanne Heising