«Die Andouillette» von Gion Mathias Cavelty

Endlich gibt es ein Hörspiel, in dem es radikal um alles geht! Denn nicht weniger als das Grosse Ganze hatte Gion Mathias Cavelty im Sinn, als er 2009 seine «Andouillette» in die literarische Umlaufbahn schoss. Jetzt ist der irre Trip zu den letzten Dingen als akustisches Spektakel zu geniessen.

Aufgeschnittene Wurst
Bildlegende: Es geht um die Wurst. Wikimedia

Die Andouillette ist der französische Sonderfall einer Wurst, die, gefüllt mit Innereien, schon beim ersten Bissen den Tod herbeiführen kann. So zumindest schildert es eine arme Seele, der just dieses passierte, in Gion Mathias Caveltys Erzählung. Das Malheur ist aber bloss der Anfang einer schwindelerregenden Exkursion, die ins Jenseits führt. Ein himmlisches und höllisches Jenseits, wie es bisher nicht bekannt war.

Darin tummeln sich celestiale Delfine und gigantomanische Kardinäle, ein rabiater Pariser Brocanteur, der magische Affe Rofocul und ein ekelhafter Phallus Dei. Die arme Seele wird von einem Abenteuer ins nächste geschleudert. Dabei wird wahrhaft Sensationelles enthüllt: Gott ist eine Seife! Und: Gott hat ein Loch! Doch Rettung naht. Nach dem finalen Gemetzel zwischen Fleisch und Geist verkünden drei Nacktschnecken die ewige Wahrheit.

Mit seinem anspielungsreichen Stück, das die «Divina Commedia» von Dante mit heutigen Mitteln fortschreibt, sorgt der ehemalige Ministrant Cavelty für ein nahezu göttliches Vergnügen.

Mit: Jörn Hentschel (Ich-Erzähler), Siegfried Terpoorten (Wilberforce), Daniel Mangisch (Rofocul), Ursula Reiter (Vorderseele), Michael Schacht (Kardinal Orokuro), Tim-Owe Georgi (Manu/General OCC), Thomas Douglas (General ZAX/Japanischer Mechaniker), Isabel Schaerer (die Andouillette), Sebastian Krähenbühl (Senenmut), Markus Scheumann (General IXI), Päivi Stalder, Margret Nonhoff, Karin Berri (Nacktschnecken)

Musik und Sounddesign: Mathias Vetter und Martin Bezzola - Hörspielfassung: Martin Bezzola und Gion Mathias Cavelty - Regie: Martin Bezzola - Produktion: SRF 2014 - Dauer: 53'

Redaktion: Reto Ott