«Die Nibelungen» von Moritz Rinke

Wie war das noch mit Siegfried und Kriemhild, Brünhild und dem Lindenblatt? Kriege, Helden, Liebe und Rache - das Schlachtfeld der Gefühle erzählt und kommentiert im Stil einer Fussballreportage. Eine rasant-ironische Demontage des deutschen Heldenmythos.

Moritz Rinke folgt in seiner tragischen Komödie den Handlungssträngen und Figurenkonstellationen der bekannten mittelalterlichen Heldendichtung. Wieder wird Siegfried hinterrücks ermordet, führt Kriemhilds Rache an ihren Brüdern zum Blutbad. Aber aus den mythischen Akteuren werden Menschen aus Fleisch und Blut. Die Dialogsprache verleugnet ihre archaische Herkunft nicht, im Spiel geben sich die Figuren jedoch ganz heutig. Der eherne Held Siegfried tritt als tölpeliger Prolet auf, König Gunther als weinerlicher Waschlappen. Am Hof der Burgunder wird pragmatisch Realpolitik betrieben.

Und über den Schlachtfeldern kreist der Hubschrauber. Aus ihm heraus kommentiert ein Fussballreporter die Intrigen und Machtkämpfe wie Schweinis und Poldis Kapriolen auf dem grünen Rasen.

Henrik Albrechts Komposition lässt im Ätherrauschen das Pathos Richard Wagners und die Blut-und-Boden-Semantik der Nationalsozialisten lustvoll verschwinden.

Rinke «hat die Fabel von innen aufgebrochen und neu entdeckt: mit einem Gestus der tragischen Ironie. In Sprache und Dramaturgie schafft er immer wieder einen spannenden, manchmal von lakonischem Witz geprägten Schwebezustand zwischen Mittelalter und Neuzeit ...» (Peter von Becker).
Das Stück entstand für die Nibelungen-Festspiele 2002 in Worms.

Mit: Günther Koch (Reporter), Sascha Icks (Kriemhild), Gisela Trowe (Mutter Ute), Sylvester Groth (Siegfried), Gerd Wameling (Gunther), Christian Berkel (Gernot), Jens Wawrczeck (Giselher), Christian Redl (Hagen), Bettina Engelhardt (Brünhild), Wolf Aniol (Rüdiger), Dietmar Mues (Etzel) und vielen anderen

Komposition: Henrik Albrecht - Hörspielbearbeitung und Regie: Leonhard Koppelmann - Produktion: NDR 2003 - Dauer: 80'

Moritz Rinke, geboren 1967 in Worpswede, lebt als Theater- und Romanschriftsteller in Berlin.

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Redaktion: Mark Ginzler