«Die Schuhe der Braut» von Magda Woitzuck

Als Kämpfer ging Said in ein Loch voller Leichen, als Deserteur kommt er heraus. Sie hätten einen Fehler gemacht, sagt er, sie haben die Braut geköpft, sie haben Unschuldige getötet, sie haben gemordet. Said beschliesst, den IS zu verlassen und nach Deutschland zu flüchten.

In ihrem neuesten Hörspiel liess sich Magda Woitzuck von zwei realen Vorkommnissen beeinflussen: Von dem Bericht eines IS-Aussteigers und von dem Bericht über zwei angespülte Taucheranzüge, in denen noch menschliche Gliedmassen steckten. Die Käufer der Anzüge wurden ausfindig gemacht: es handelte sich um zwei junge Männer, die offenbar versucht hatten, von Calais aus durch den Ärmelkanal zu schwimmen, um so in England Asyl zu finden. Bei Magda Woitzuck verbinden sich diese Geschichten zu einer einzigen.

Der syrische IS-Soldat Said hat in einem Loch voller Leichen eine Gotteserscheinung. Er flüchtet daraufhin Richtung Deutschland, er schwimmt nach Griechenland, wo er als Leiche angespült wird. Er erwacht von den Toten und schwimmt weiter bis Rimini. Dort trifft er auf eine burnoutgeplagte Journalistin, die ihn, nicht uneigennützig, in sein Bestimmungsland bringen will. Doch am Ende kommt alles anders.

Die niederösterreichische Schriftstellerin Magda Woitzuck legt mit «Die Schuhe der Braut» ihr fünftes Hörspiel vor, erneut voll von magischem Realismus, von Absurdität, Weisheit und Poesie; das Schreckliche trifft hier wieder auf das Menschliche, Verzweiflung trifft auf Zynismus.

Mit: Gideon Maoz (Faisal), Matthias Franz Stein (Said), Hannah Mensing (Braut), Vera Borek (Loch), Rainer Doppler (Polizist), Florentin Groll (Arzt), Chris Pichler (Adele)

Musik: Peter Kaizar - Tontechnik: Manuel Radinger, Anna Kuncio - Regie: Peter Kaizar und Philip Scheiner - Produktion: ORF 2017
- Dauer: 43'

Redaktion: Susanne Janson