Die Schweiz im 1. Weltkrieg: 5 Kurzhörspiele

Im Rahmen eines europäischen Hörspiel-Projektes hat SRF vier Autoren und eine Autorin gebeten, mit radiofiktionalen Mitteln zu rekonstruieren, was die Schweiz im 1. Weltkrieg geprägt hat. Das Resultat ist genau 100 Jahre nach dem Attentat von Sarajevo erstmals zu hören: am 28. Juni auf SRF 2 Kultur.

«Europe 1914/1918: Audio Snapshots from a Continent at War» unter dieser Überschrift hat die European Broadcasting Union (EBU) Hörspiel-Redaktionen aus ganz Europa aufgefordert, zum Gedenken an den Ausbruch des 1. Weltkriegs eigene Beiträge zu produzieren. Sie werden ab Juni auf einer Online-Plattform zu hören sein, als Versuch eines gemeinsamen Erinnerns und gleichzeitig einer aktuellen Standortbestimmung des Kontinents. Wie lässt sich das grausame Geschehen aus der Zeit noch vor der Geburt des Radios ins Heute transportieren?

Die Rolle der Schweiz war damals schon eine besondere. Sie war das verschonte Land mittendrin und blieb trotzdem nicht inaktiv. Was das damals hiess und heute heissen könnte, versuchen die fünf Kurzhörspiele auf sehr unterschiedliche Art und Weise darzustellen.

«Läublis Traum» von Andreas Sauter

Vorkrieg 1912: Der Deutsche Kaiser besucht die Schweiz, um sich ein militärisches Manöver anzusehen. Für die damalige Schweiz ist es ein Freudentag, im Kopf des einfachen Soldaten Läubli aber bricht bereits der Krieg aus.

Eine Collage nach Motiven von Friedrich Glauser und Kurt Guggenheim.

Mit: Raphael Clamer (Läubli), Peter Hottinger (Hauptmann), Peter Kner (Vater), Inga Eickemeier (Lisbeth), Anette Herbst, Christian Heller, Kamil Krejci und Fabian Müller (Chor)

Musik: Malte Preuss u.a. - Regie: Reto Ott - Dauer: 11'

«Marmotta» von Hanspeter Gschwend

Die Episode spielt im Sommer 1915 in einer kleinen Alpenfestung an der südlichen Schweizer Grenze. Italien hat soeben Österreich den Krieg erklärt. Während sich nicht sehr weit entfernt italienische Gebirgsjäger Gefechte mit deutschen und österreichischen Truppen liefern, haben sich die Schweizer Soldaten im Fels verschanzt. Sie bewähren sich als «Verteidiger der Murmeltiere», wie Max Frisch nach dem 2. Weltkrieg die helvetische Strategie des Réduit beschrieb.

Mit: Davide Gagliardi (Mitrailleur Ciocco), Joel Basman (MitrailleurFux), Nils Althaus (Leutnant), Hanspeter Müller-Drossaart (Hauptmann)

Regie: Isabel Schaerer - Dauer: 10'

«Fenster schliessen! Fenster schliessen!» von Gerhard Meister

Es ist ein historischer Ort: die Spiegelgasse in der Zürcher Altstadt. Hier lebten 1916/17 quasi Tür an die Tür der politische Revolutionär Lenin und jene Revolutionäre der Kunst, die als «Dadaisten» in die Geschichte eingehen sollten. Der revolutionäre Geist jedoch wurde ganz massiv gestört, durch das erfolgreiche Geschäftsgebaren eines weiteren Nachbarn, der Metzger war von Beruf.

Mit: Anette Herbst, Christian Heller, Kamil Krejci und Fabian Müller

Musik: Martin Bezzola - Regie: Päivi Stalder - Dauer: 9'

«Nachmittag Schwimmkurs» von Lukas Holliger

Die Liebe in Kriegszeiten ist das Thema des Briefwechsels zwischen einem Basler Jugendlichen und seiner französischen Freundin. Während Frankreich zum Schlachtfeld wird, herrschen in der Schweiz Ruhe und Ordnung. Noch immer wird im Rhein geschwommen, doch die Unruhe steigt. Dann überschreitet die junge Liebe mehr als nur eine Grenze.

Nach Motiven der Erzählung «Die Briefe von Isabelle» von Karl Rühmann.

Mit: Anja Schärer (Claire), Julius Schröder (Andreas und Walter), Ueli Jäggi (Grossvater), Janek Holliger (Kind)

Regie: Margret Nonhoff - Dauer: 12'

«Welcher Teil du von mir bist, das kann mir kein Geschichtsbuch sagen» von Daniela Janjic

1918, der Grosse Krieg ist fast vorbei und Helene, eine junge Frau, ist im Aufbruch. Sie will den goldenen Käfig ihres bürgerlichen Elternhauses hinter sich lassen. Sie sucht einen Weg, ein Ziel, eine Mission. Oder zumindest eine Alternative zum Dogma der Schweizer Neutralität. Unterwegs zu sich selbst und zu einem selbstbestimmten Leben als Frau schreibt Helene einen Brief an den Attentäter von Sarajevo, Gavrilo Princip.

Mit: Jeanne Devos und Hanspeter Müller-Drossaart - Musik: Henry Cowell - Regie: Julia Glaus - Dauer: 11'

Redaktion: Reto Ott