«Die schwere Not» von Iwan Gontscharow

Der häufige Gast einer begüterten Familie hört nichts Gutes von seinem ehemaligen Kommilitonen, von Tjazelenko, dessen Rückzug und totale Passivität verurteilt wird. Der Gast lernt die Philosophie Tjazelenkos schätzen, nach der gesellschaftliche Aktivitäten Symptome einer schweren Not darstellen.

Bild eines Herrschafthauses.
Bildlegende: «Die schwere Not» von Iwan Gontscharow Imago/Arkivi

«Die Schwere Not», 1838 erschienen, ist die erste von Gontscharows überlieferten Erzählungen. In der Gestalt des Nikon Ustinovic Tjazelenko, den «eine beispiellose, methodische Faulheit und eine heroische Gleichmut für die Eitelkeiten dieser Welt» auszeichnet, findet sich das Urbild des Oblomow, dessen Lebensroman Gontscharow einundzwanzig Jahre später Weltruhm verschaffte. Auch «Die Schwere Not», Tjazelenkos Bezeichnung für eine seltsame Krankheit, die saisonal seuchenartig die Einwohner Petersburgs befällt, taucht in den späteren «Oblomow-Texten» wieder auf - allerdings als eine Art ansteckende Schlafseuche. Hier jedoch bedeutet «Die Schwere Not» noch das genaue Gegenteil der Schlafsucht. Der Übersetzer Peter Urban, beschreibt sie als die grassierende Sucht der Petersburger, «beim ersten Frühlingshauch sich der sinnlosesten, ja lebensgefährlichen Form der Bewegung hinzugeben: Spaziergängen, Ausflugsfahrten, Landpartien, Picknicks.»

Mit: Wolf-Dietrich Sprenger (Erzähler), Claus Boysen (Nikon Ustinovic Tjazelenko), Hildegard Schmahl (Marja Aleksandrovna), Berthold Toetzke (Aleksej Petrovic), Maja Nielsen (Zinaida Michajlovna), Gerd Andresen (Ivan Stepanowitsch Verenicyn), Margarete Dobirr (Grossmutter), Benjamin Reding (Volodja), Hans Treichler (Diener), Hans Josef Eich (Wirt)

Aus dem Russischen von Peter Urban - Hörspielfassung: Friederike Roth - Tontechnik: Klaus Hoeness, Schnitt: Waltraud Gruber - Regie: Niels Peter Rudolph - Produktion: SDR/BR 1994 - Dauer: 67'

Iwan Alexandrowitsch Gontscharow, 1812 in Simbirsk (Russland) geboren, entstammt einer gut situierten Familie, sein Grossvater war in den Stand des Erbadels gehoben worden. Nach seinem Studium machte Gontscharow eine Beamtenlaufbahn. Nach frühen Versdichtungen wandte er sich ab 1838 - beeinflusst von Puschkin, Lermontow und Gogol - realistischen Prosaarbeiten zu. 1891 starb Gontscharow in Sankt Petersburg.

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Redaktion: Claude Pierre Salmony