«Don Juan oder die Liebe zur Geometrie» von Max Frisch 2/2

Max Frisch dekonstruiert den Mythos. In seiner zeitlosen Komödie begleiten wir den jungen Protagonisten Don Juan, der sich in die Geometrie flüchtet, weil er sich nach Wahrheit und Klarheit sehnt statt sich in schwülen, irrationalen Frauengeschichten zu verlieren.

Porträt von Max Frisch mit Pfeife.
Bildlegende: Max Frisch mit Pfeife 1986. Keystone

Ein Don Juan ist ein Frauenheld. Und da die Liebe zu Unordnung in männlichen Gehirnen führt, steckt er ständig in Schwierigkeiten mit den Väter, Brüdern oder Bräutigamen seiner Geliebten. Eine Zeitlang ist das unterhaltsam, wird aber doch schnell lästig. Darum wird die Klarheit der Geometrie für Max Frischs Don Juan zum Fluchtpunkt aus geschlechtlichen und gesellschaftlichen Begehrlichkeiten. Und die überlieferte, verlangte, erwartete Höllenfahrt des Tunichtgut wird zur Theaterinszenierung.

Am 5. Mai 1953 wurde im Zürcher Schauspielhaus die Komödie «Don Juan oder die Liebe zur Geometrie» von Max Frisch uraufgeführt. Das Echo war nicht begeistert. 1964 folgte die zweite, revidierte Fassung – diese Version fand dann bei Publikum und Presse grossen Anklang. Schweizer Radio SRF zeichnete eine Aufführung im Rahmen der Zürcher Festwochen 1964 auf. «Don Juan» wurde zu einem der meistgespielten Theaterstücke Frischs und für den jungen Schauspieler Helmuth Lohner ein Meilenstein seiner äusserst erfolgreichen Karriere.

Eine Besonderheit der Aufzeichnung: Max Frisch selbst führt durch die Aufführung seiner Komödie.

Mit: Helmuth Lohner (Don Juan), Alfred Schlageter (Tenorio), Anneliese Betschart (Miranda), Walter Kiesler (Don Gonzalo, Kontur von Sevilla), Anne-Marie Blanc (Donna Elvira), Petra Fahrnländer (Donna Anna), Klaus Steiger (Pater Diego), Peter Ehrlich (Don Roderigo), Inge Bahr (Donna Inez), Therese Giehse (Celestina), Johannes Von Spallart (Don Balthazar Lopez), Karl-Heinz Windhorst (Leporello)

Redaktion: Hans Jedlitschka - Tontechnik: Georg Stössel - Regie: Kurt Hirschfeld - Produktion: SRF 1964 - Dauer Teil 1: 58', Teil 2: 38'

Max Frisch (1911-1991) gehört zu den bedeutendsten Schweizer Schriftstellern. Seine Romane, Theaterstücke, Erzählungen und Hörspiele erreichen ein breites Publikum. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. 1976 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Diese Produktion ist vom Christoph Merian Verlag als Hörbuch publiziert worden und im Handel erhältlich.

Redaktion: Susanne Janson