«Frau Higgins – Anstelle von Erinnerung» von Jens Nielsen

Frau Higgins weiss manchmal nicht genau, ob sie Kinder hat oder nicht und wie die heissen. Ist das Demenz oder Charakter? Vergisst sie, oder verdrängt sie? Wenn sie auftritt, zeigt sie jedenfalls einen Verdrängungsgrad, der alle anderen an die Wand drückt. Ben, der Butler, muss es dann richten.

Bildlegende: Keystone

«Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind», sagt Shakespeare. Und wenn dann auch noch das Gedächtnis nachlässt, ist der Stoff nicht mehr unbedingt reissfest, wie der Schweizer Autor Jens Nielsen in seinem neuesten Hörspiel vorführt, in dem sich alles, aber auch wirklich alles als fraglich erweist. Frau Higgins, zum Beispiel, residiert in ihrer Villa. Ist es ihre Villa? Ist es überhaupt eine Villa? Ben, der Butler, scheint mehr zu wissen, schweigt aber. Ist er überhaupt ein Butler? Oder ist er ein Engel, Erzengel, Erzbutler? Constance, womöglich die Tochter, wird in einer Kiste angeliefert und wirbelt Staub auf, sekundiert von Herrn Lugano Seiler, ihrem Lover. Oder ist er Mutters Lover?

Mit: Irm Hermann (Frau Higgins), Jodoc Seidel (Ben), Jessica Higgins (Tochter Constanze), Klaus Brömmelmeier (Herr Lugano Seiler), Thomas Mathys (Nachrichtensprecher)

Musik: Giovanni Di Stefano - Tontechnik: Tom Willen - Regie: Claude Pierre Salmony - Produktion: SRF 2015 - Dauer: 52'

Jens Nielsen, 1966 in Aarau geboren, absolvierte eine Schauspielerausbildung. Danach gründete er mit Aglaja Veteranyi die Performance-Theatergruppe «Die Engelmaschine». Nielsen lebt als freier Schauspieler, Sprecher und Autor in Zürich. Seit 2003 sind neun Theaterstücke von ihm auf die Bühne gebracht worden. Seit 2003 figuriert er auch als Autor für Hörspiel SRF: «Max am Rand» (2003), «Vom Himmel fallen oder von den Bäumen» (2005), «Endidyll» (2011), «Die Uhr im Bauch» (2012), «Immer stimmt das dann plötzlich» (2012), «CASTING, oder wir können uns gerne diezen» (2009), «Mit den Waffen einer Maus» (2012). 2012 erschien sein Buch «Das Ganze aber kürzer».

Giovanni Di Stefano, 1958 in Rom geboren, hat nach seinem Kunststudium am Liceo Artistico in Rom 1978 einen Diplomabschluss gemacht, sich 1982 dem Gruppo Eventualista angeschlossen, 1985 das Diplom in Malerei an der Accademia delle Belle Arte in Rom gemacht. Seit 1998 lebt und arbeitet er in Basel, wo er parallel zu seinem visuellen Schaffen auch im Audio-Art-Bereich tätig ist.

Redaktion: Claude Pierre Salmony