«Geld und Geist» von Jeremias Gotthelf (10/10)

Wut, Enttäuschung und Bitterkeit ist alles, was von der Liebe zwischen Resli und Annemareili übrig geblieben ist. Sie gehen im Unfrieden auseinander, weil Annemareili all ihre Hoffnungen zerstört sieht, und Resli sein Glück nicht auf Lügen bauen und fadenscheinige Kompromisse eingehen will.

Bildlegende: Keystone

Da Tochter Annelisi bald ihrem Ehemann folgen und aus dem Hause gehen wird, bangt Mutter Änneli um die Zukunft von Liebiwil. Es muss eine Frau her, eine «neue Mutter» für den Hof! Nur, wie soll das geschehen? Sohn Chrischteli wird wegen seiner Krankheit wohl nie heiraten, Resli will nicht. Und in der Nachbarschaft erkrankt eine ganze Familie an der ansteckenden roten Ruhr

Mit ungeahnter Bild- und Sprachgewalt gestaltet Jeremias Gotthelf dieses berührende letzte Kapitel seiner Erzählung, und setzt damit einen freundlichen Schlussstein.

Der Streit um «Geld» und die Suche nach «Geist» stehen im Widerstreit müssten aber nicht: «Wo der Geist eine Heimstatt hat, kann Geld sehr wohl zum Segen werden.» Vor 170 Jahren vermittelte Jeremias Gotthelf seiner Leserschaft diese Botschaft. Und sie hat nichts von ihrer Gültigkeit verloren.

«es ist nicht so üppig, heiter und kraftstrotzend wie andere Bücher des Dichters, aber nach der vorherrrschenden und vielleicht begründeten Meinung der Gotthelf-Forschung seine vollkommenste Dichtung», heisst es im Kindler-Literaturlexikon über Gotthelfs «Geld und Geist».

Mit: Elisabeth Müller-Hirsch (Änneli), Hans Gfeller (Chrischte), Hansjörg Ammann (Sohn Chrischteli), Iris Zehnder (Tochter Annelisi), Urs Hirschi (Sohn Resli), Heinrich Rohrer (Der Dorngrüter), Gertrud Demenga (Frau vom Dorngrüter), Elisabeth Berger (Annemareili), Kurt Weibel (Pfarrer), Charlotte Braun (Erzählerin), Roland Keller (Erzähler), Robert Egger (Der Leser), u.a.

Hörspielfassung: Hans Rudolf Hubler

Regie: Robert Egger

Produktion: SRF 1966

Dauer: 71‘

Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf (1797-1854) ist für viele bis heute ein Denkmal geblieben, ein Garant für die heile, bäuerliche Welt einer Schweiz im Stillstand. Dabei geht gern vergessen, dass Gotthelf zu Lebzeiten höchst umstritten war. Nicht nur literarisch, sondern vor allem in seiner bürgerlichen Existenz als Pfarrer. Mit seinem schriftstellerischen Schaffen ging es ihm nicht in erster Linie um die Schilderung von ländlicher Lebensweise, sondern um die Zeitkritik aus der Kraft der biblischen Botschaft heraus.

Redaktion: Isabel Schaerer