«Grossmutter feiert ihren 99. Geburtstag» von Jirí Kratochvil

Grossmutter feiert ihren 99. Geburtstag. Und alle sind sie gekommen: Kinder, Enkel und Urenkel. Nur Martin, der ist leider geschäftlich verhindert und engagiert deshalb einen Schauspieler, der ihn vertritt. So gut, dass ihm alle glauben, und er sich sogar selbst zu glauben beginnt

Ein Blumenstrauss
Bildlegende: Sein und Schein: «Großmutter feiert ihren 99. Geburtstag» Flickr/rosmary

Das Hörspiel von Jirí Kratochvil ist vor allem eins: Ein Fest der Schauspieler. Sie sprechen und singen die Geräuschkulisse, ob das Ticktack der Standuhr oder die Salonmusik. Und sie geniessen hörbar, mit ihren Rollen zu spielen. Katharina Thalbach gibt ein so liebenswertes wie exzentrisches Familienoberhaupt. Rufus Becks Janek ist wunderbar verloren als Einziger, der dem falschen Martin misstraut. Und eben, der falsche Martin, gesprochen von Martin Reincke, der ist charmant und schmierig und anbiedernd und gewinnend zugleich. Was für ein Schauspieler!

Mit: Katharina Thalbach (Grossmutter), Rufus Beck (Janek), Martin Reincke (Martin), Gisela Trowe (Grunja), Sascha Icks (Mahulena), Katrin Heller (Lida), Walter Renneisen (Lukas und Percussion)

Aus dem Tschechischen von Milka Vagadayová und Kathrin Liedtke - Regie: Burkhard Schmid - Produktion: RB/RBB 1999 - Dauer: 44'

Der Autor Jirí Kratochvil wurde 1940 in Brünn geboren, das bis heute sein Lebensmittelpunkt und Schauplatz seiner Romane ist. Nach dem Studium der Philosophie begann er Mitte der Sechzigerjahre zu schreiben. Von 1968 bis 1989 hatte er ein Publikationsverbot unter der kommunistischen Diktatur der Tschechoslowakei. Kratochvil schrieb weiter für Untergrundverlage und schlug sich als Kranführer, Bibliothekar und Heizer durch. Nach der Wende wurde er als Autor von einer breiten Öffentlichkeit anerkannt: Preise und auch Übersetzungen ins Deutsche waren die Folge (zuletzt: «Das Versprechen der Architekten» 2010).

Aus urheberrechtlichen Gründen können wir Ihnen auf unserer Internetseite nur einen Ausschnitt des Hörspiels anbieten.

Redaktion: Wolfram Höll