«Härzbluet» von Andreas Sauter

«Manchmal hätte ich ihn echt umbringen können». Das sagt die Sekundar-Schülerin Nadine im Rückblick auf jenes verhängnisvolle Schuljahr, an dessen Ende ihr Lehrer Martin Ruess tot aufgefunden wird. Ruess hat sich im Klassenzimmer das Leben genommen. Wie konnte es dazu kommen?

Pan Aurel Bucher, Nina Halpern und Irina Ledermann bei einer Aussenaufnahme in Willisau im Februar 2008.
Bildlegende: Pan Aurel Bucher, Nina Halpern und Irina Ledermann bei einer Aussenaufnahme in Willisau im Februar 2008. SRF

Hat die Klasse, allen voran die «Problemschülerin» Nadine, den jungen Lehrer in den Tod getrieben? Oder ist Ruess an sich selbst gescheitert? An seinem Idealismus? Warum hat das Umfeld nicht früher und anders reagiert?

Ausgehend von einem realen Fall entwirft der Schweizer Dramatiker Andreas Sauter in seinem ersten Dialekt-Hörspiel ein mögliches Szenarium des unfassbaren Geschehens. In fiktionaler Form lässt er Beteiligte zu Wort kommen: Schülerinnen und Schüler, eine Kollegin, eine Mutter, die Schwester. Das Ergebnis ist die nüchterne Chronik einer Eskalation - die Geschichte des Scheiterns eines jungen Lehrers, irgendwo in der Schweizer Provinz.

Reto Ott hat «Härzbluet» 2008 für SRF in Szene gesetzt. Die Aufnahmen sind zum grössten Teil im Städtchen Willisau gemacht worden, an realen Schauplätzen und mit lokalen Darstellern.

Mit: Samuel Zumbühl (Martin Ruess), Nina Halpern (Nadine), Irina Ledermann (Yvonne), Pan Aurel Bucher (Rafael), Martina Fähndrich (Andrea Zaugg), Samia von Arx (Erika Wilhelm-Ruess), Annette Windlin (Frau Pfister), Jörg Gilli (Herr Kägi)

Musik: Martin Bezzola - Regie: Reto Ott - Produktion: SRF 2008 - Dauer: 50'

Andreas Sauter, geboren 1974, studierte in Zürich und Berlin und arbeitet seither als Autor und Regisseur für Theater, Hörspiel und Film. Gemeinsam mit Bernhard Studlar gewann er im Jahre 2000 den Kleist-Förderpreis für das Stück «A. Ist eine andere», das 2004 in der Radio-Version von Reto Ott mit dem Basler Hörspielpreis ausgezeichnet wurde.

Neben der Zusammenarbeit mit Bernhard Studlar hat Andreas Sauter eine Vielzahl eigener dramatischer Texte verfasst, zuletzt «Das weisse Zimmer» für eine deutsche-chinesische Koproduktion. Sauters letzte Hörspielarbeit, wiederum zusammen mit Bernhard Studlar und für SRF, entstand vor zwei Jahren: «Die wundersame Reise des Roman Horn», eine Bodensee-Groteske.

Redaktion: Reto Ott