Hörspiel-Premiere: «Die Napoleon Bonapartefrau»

Pünktlich zum 200. Jahrestag von Napoleons Absetzung als Kaiser kommt die «Napoleon Bonapartefrau». In ihrer Vergangenheit begeisterte sie die Massen. Jetzt ist sie Vorsitzende im Berner Bundeshaus, beantwortet Bürgerbriefe und schlägt sich mit dem Willen des Stimmvolkes herum.

Blick in den Nationalratssaal im Bundeshaus
Bildlegende: Die Napoleon Bonapartefrau sitz nun im Bundeshaus Keystone

Grösstmögliche Machtausübung bei grösstmöglicher Höflichkeit. Das ist das erklärte Ziel der Napoleon Bonapartefrau. Oder auch: Wie lassen sich aufgeklärte Bürger am geschicktesten manipulieren? Bisher hat die Bonapartefrau diese Aufgabe mit Bravour gemeistert. Das hat sie mit Glück erfüllt. Doch nun droht eine stinknormale Kaffeemaschine dieses Konzept und sogar ihr ganzes Leben aus der Bahn zu werfen. Denn auch andere Menschen beanspruchen das Glück, etwa ihr Büronachbar Bendix Schönflies oder die renitente Propaganda-Sängerin Brel. Es kommt, wie es kommen muss.

In «Die Napoleon Bonaparatefrau» geht es um Machtmenschen und um Höflichkeit. Um das alltägliche Zusammenleben im Büro und um gute Umgangsformen. Und schlussendlich um Menschen, die das Glück suchen, aber nur Ruhm finden.

In ihrer Vergangenheit vollbrachte die Bonapartefrau Grosses. Sie begeisterte die Massen und erlitt eine Niederlage bei Waterloo. Jetzt ist sie Vorsitzende im Bundeshaus, beantwortet eifrig Bürgerbriefe, reformiert die Bürokratie und nimmt an den Kaffeepausen der Mitarbeitenden teil. Denn Höflichkeit, Offenheit und Mitbestimmung sind die gesellschaftlichen Prämissen unserer Zeit. Doch wie kann die Napoleon Bonapartefrau weiterhin Grosses vollbringen, wenn das Volk ständig mitbestimmen möchte? Wenn das Parlament andauernd dazwischen funkt? Wenn selbst Feinde mit Respekt behandelt werden möchten?

Um Freunde und Feinde bei Laune zu halten, gibt sie stimmungsvolle Propaganda-Songs in Auftrag. Die Massen wollen schliesslich begeistert werden. Oder nicht? Eher nicht, die Songs floppen, das Volk möchte keine Begeisterung, sondern Transparenz. Die Bonapartefrau ist irritiert. Dann gerät auch noch ihre gross angelegte Verwaltungsreform ins Stocken. Der aufgeblähte Verwaltungsapparat mitsamt seinen intriganten Beamten und Winkeladvokaten will nichts wissen von Vernetzung und flachen Hierachien.

Madames Buch «Die Verwaltung der Verwaltung» wird von den Kritikern verrissen. Der aristokratische Schreibstil geht den Leuten auf die Nerven. Aristokratischer Schreibstil? Die Bonapartefrau zweifelt allmählich an der Intelligenz ihres (eigenen!) Volks. Als ob das alles nicht schon genug wäre, wird sie noch in einen jämmerlichen Kleinkrieg um eine Kaffeemaschine verwickelt. Es kommt, wie es kommen muss.

Mit: Sarah Victoria Frick (Bonapartefrau), Martin Vischer (Bendix Schönflies), Pamela Mendez (Brel), Nadja Sprich (Werbesprecherin), William Cohn (Willi), Ellinor Landmann (Kammerfrau Landmann) Pascal Biber (Kammerherr Biber), Claude Pierre Salmony (Antragsteller).

Musik: Pamela Mendez - Regie: Johannes Mayr - Produktion: SRF 2014 - Dauer: 54'

Franziska Müller geboren 1982, studierte Philosophie und neuere deutsche Literatur sowie Rechtswissenschaften in Fribourg, Belfast und Luzern. Sie lebt in Liebefeld bei Bern.

Tobias Lambrecht, geboren 1983, studierte Germanistik, Theaterwissenschaft und Philosophie in Fribourg, Bern und Amsterdam. Er lebt in Bern.

Das Autorenduo Müller-Lambrecht wurde für sein erstes Hörspiel «Die Menschen etc.» (SRF 2011) mit dem Anerkennungspreis der Literaturkommission des Kantons Bern ausgezeichnet.