«Infarkt» von Joachim Walther

Ein Mann hat einen Infarkt erlitten; nun beugt man sich über ihn, analysiert seine Laufbahn als Funktionär, bespricht, wie er unter dem gesellschaftlichen Anpassungszwang zum Opportunisten und Karrieristen wurde, sich beruflich wie privat immer weiter vom sozialistischen Leitbild entfernte.

«Infarkt» ist das prominenteste Beispiel der unrühmlichen Geschichte der Eingriffe, Verbote und Verhinderungen im DDR-Hörspiel. So konnte «Infarkt» 1979 zwar im Druck erschienen, eine Inszenierung scheiterte jedoch am Einspruch des Hauptabteilungsleiters.

Nicht nur formal, sondern auch inhaltlich überschritt diese biografische Untersuchung, die sich zum Krisenbericht über eine kranke, vom Selbstbetrug lebende Gesellschaft weitet, eine symptomatische Grenze dessen, was und wie in der DDR geschrieben werden durfte.

Mit Peter Reusse, Johanna Schall u.a. - Regie: Fritz Göhler - Produktion: Funkhaus Berlin, 1990 - Dauer: 53'

Dem Hörspiel folgt ein Gespräch mit Ines Geipel.

Redaktion: Franziska Hirsbrunner