«Johann Holtrop» von Rainald Goetz (1/2)

«Abriss der Gesellschaft» hat Goetz seinen Roman untertitelt: die Geschichte vom aufhaltsamen Abstieg des Vorstandsvorsitzenden Johann Holtrop. Im Hörspiel zum Roman spricht Goetz selbst, ist Goetz‘ Kopf die Abrissbirne, die die Fassaden der Bürotürme und Wolkenkratzer niederreisst.

Reinald Goetz vor Bücherwand
Bildlegende: Im «Schlucht»-Projekt versucht sich Reinald Goetz an einer «Geschichte der Nullerjahre». suhrkamp/Susanne Schleyer

«Johann Holtrop» ist Teil von Rainald Goetz‘ «Schlucht»-Projekt: Er versucht sich an einer «Geschichte der Nullerjahre». Goetz hat die Jahre nach 2000 als «düster» empfunden, als «Finsternisexzess». Der Versuch, einen Roman über den Politikbetrieb zu schreiben, scheiterte, Goetz dachte gar daran, den Schriftstellerberuf aufzugeben: «Ja, die Vorstellung, dass ich Schriftsteller bin, war fiktiv geworden. Wenn man nichts mehr schreibt, ist man kein Schriftsteller mehr.»

Aus diesem Scheitern entstanden zwei seiner innovativsten Bücher: Gegen die Schreibkrise setzte er das «loslabern» als Prinzip, im gleichnamigen literarischen Bericht. Die Auseinandersetzung mit dem «politisch-journalistischen Komplex» ihrerseits fand schliesslich im Fotoband «elfter september 2010» ihre Form.

Mit Rainald Goetz - Regie: Leonhard Koppelmann - Produktion: BR 2013 - Dauer: 79‘

Redaktion: Wolfram Höll