«Leonce und Lena» von Georg Büchner

Ein Sozialdrama, ein Requiem auf die Revolution und ein Lustspiel: Das ist das schmale dramatische Werk von Georg Büchner. Doch was der junge Naturwissenschaftler aus Hessen für die Bühne formulierte, ist einzigartig geblieben. Seine poetisch-nüchternen Verzweiflungssätze klingen nach bis heute.

Georg Büchner, Porträtzeichnung von Adolf Hoffmann, 1835.
Bildlegende: Georg Büchner, Porträtzeichnung von Adolf Hoffmann, 1835. Wikimedia

Prinz Leonce vom Reiche Popo und Prinzessin Lena vom Reiche Pipi sind füreinander bestimmt. Ihre Hochzeit aus angeblicher Staatsräson ist beschlossene Sache. Doch wollen sie beide nichts davon wissen und ergreifen die Flucht. Lieber ergeben sie sich ziel- und antriebslos der Melancholie, als sich durch die hohlen Rituale eines popanzigen Hofstaates binden zu lassen. Dann aber laufen sie sich doch in die Arme, inkognito zwar und infolge eines arrangierten Zufalls, doch mit umso schlimmeren Folgen. Ein Selbstmord aus Liebe kann gerade noch verhindert werden. Es folgt die perfekte Automaten-Hochzeit, samt Enthüllung aller Absurditäten, und schliesslich die Ausrufung einer neuen Religion: «Wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monde nur nach der Blumenuhr, nur nach Blüte und Frucht.»

 

Das absichtlich überdrehte und dennoch so hintergründige Spiel um die eskapistischen Königskinder Leonce und Lena schrieb Georg Büchner im Frühling 1836 im Strassburger Exil. Wenig später zog der als Revolutionär Verfolgte weiter nach Zürich, um Privatdozent an der Universität zu werden. Büchner starb jedoch im Februar 1837, an den Folgen einer Typhus-Infektion. Er war noch keine 24 Jahre alt.

Mit Ruedi Walter (König Peter), Michael Weber (Leonce), Charlotte Schwab (Lena), Thomas Thieme (Valerio), Ann Höling (Gouvernante), Siegfried Meisner (Präsident des Staatsrates), Klaus Degenhardt (Hofprediger), Ulrich Hitzig (Zeremonienmeister), Marianne Weber (Rosetta), Rudolf Bobber (Kammerdiener), Paul Felix Binz (Polizist), Peter Hasslinger (Polizist) 

Musik: Klaus Sonnenburg - Regie: Rainer Zur Linde - Produktion: Schweizer Radio DRS 1987 - Dauer: 62' 10‘‘

Redaktion: Reto Ott