«Quartett» von Heiner Müller

Merteuil und Valmont haben eine offene Beziehung gelebt und dabei die Libertinage zur Kunstform, respektive zum Spitzensport erhoben. Jetzt treffen sich die beiden nach allen Verführungen, Nötigungen und Intrigen zur grossen Abrechnung.

Mann versucht, Frau ins Schlafzimmer zu ziehen, Zeichnung.
Bildlegende: Illustration zu «Les liaisons dangereuses» des Vicompte de Valmont. Wikimedia

Die beiden Wüstlinge gehen ihre pikanten Affären von einst nochmals durch, führen einander die Brillanz ihrer Strategien vor, spielen genüsslich ihre Opfer bei deren Erliegen nach.

Die beiden haben sich gegenseitig in ihren Abenteuern stets unterstützt und die Verletzungen verdrängt, die sie einander durch ihre Untreue zugefügt haben. Jetzt fällt ihr gefährliches Spiel mit den Gefühlen auf sie selbst zurück.

Die Marquise de Merteuil und der Vicompte de Valmont sind die Hauptfiguren des berühmten, 1792 erschienenen Briefromans «Les liaisons dangereuses» (Gefährliche Liebschaften) von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos, der in diesem, seinem einzigen berühmten Werk das dekadente Gesellschaftsleben des Adels am Vorabend der Französischen Revolution beschrieben hat.

Während in Laclos' Prosavorlage zahlreiche Repräsentanten der gehobenen Schicht als Beteiligte an den mannigfaltigen Machenschaften auftreten, hat der Dramatiker Heiner Müller die Ereignisse durch den reflektierenden Rückblick auf sie ersetzt und alle Nebenfiguren weggelassen.

Mit: Renate Schröter und Christoph Bantzer

Regie: Stephan Heilmann und Claude Pierre Salmony - Produktion: SRF 1982 - Dauer: 47'

Heiner Müller (9.1.1929 bis 30.12.1995) wuchs in Sachsen und Mecklenburg als Sohn eines Angestellten und NS-Verfolgten auf und kam 15-jährig in den Krieg. 1957 erste Bühnenaufführung, 1958 erste Hörspielsendungen. 1961 Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR. 1970-78 Dramaturg am Berliner Ensemble. Mitunterzeichnung der Biermann-Petition. 1988 Wiederaufnahme in den Schriftstellerverband. 1990-92 letzter Präsident der Akademie der Künste der DDR. 1992-95 Co-Direktor des Berliner Ensembles.

Umfangreiches dramatisches Werk, Lyrik, Erzählungen, Romane. Zahlreiche Preise, darunter Georg Büchner-Preis 1985.

Aus urheberrechtlichen Gründen können wir Ihnen nur einen Ausschnitt des Hörspiels anbieten.

Redaktion: Claude Pierre Salmony