«Russisches Roulette» von Alfred Andersch

Anlässlich seines 100. Geburtstags erinnert SRF an den Schriftsteller und Radiomann Alfred Andersch. Andersch war ein Meister der existentialistischen Zuspitzung. Er prägte auch als Redaktor massgeblich die Entwicklung neuer künstlerischer Formen im deutschsprachigen Rundfunk der Nachkriegszeit.

Alfred Andersch.
Bildlegende: Keystone

Im Hörspiel «Russisches Roulette» schickt Alfred Andersch einen Mann auf die Suche nach seinen Empfindungen. Angeödet von seiner Tätigkeit als Buchhalter lässt er sich durch das kalte Hamburg treiben, bis er die Begegnung mit einer Unbekannten provoziert.

Im Gespräch mit der Psychologie-Studentin treibt der Mann seine Lebenskrise auf die Spitze. Er präsentiert ihr den Revolver, den er mit sich herumträgt. Damit will er Russisches Roulette spielen, so wie es ihm ein indischer Bekannter gezeigt hat. Es ist der höchste Kitzel, ein Glücksspiel mit dem Tod. Denen, die es überleben, so verspricht der Inder, helfe es, die innere Leere zu überwinden.

Andersch schrieb das Hörspiel 1961, obwohl er ursprünglich etwas anderes im Sinn hatte: «Der Text ist als Filmentwurf geschrieben worden (ich halte Hörspiel und Film gleichermassen für epische, nicht für theatralische Literaturformen) und stellt einen ganz bewusst unternommenen Versuch dar, gleichzeitig Film, Hörspiel und Erzählung sein zu wollen.» 1985 realisierte Robert Bichler in Zürich ein Remake, das die unterkühlte Eleganz der Vorlage noch betont.

Mit Christoph Bantzer (Junger Mann), Peter Kner (Erzähler), Marlies Engel (Studentin), Wolfgang Schwarz (Gafur), Dinah Hinz (Messua), Walter Andreas Müller (Kollege), Ingold Wildenauer (Autofahrer), Ursula Schäppi (Verflossene), Inge Bohr (Hostess)

Musik: Curt Treier - Regie: Robert Bichler - Produktion: SRF 1985 - Dauer: 60'

Redaktion: Reto Ott