«Vom Leben gewöhnlicher Männer und Frauen: Vitali Antonio» von Giuseppe Pontiggia

Er hat einen guten Beruf, eine Frau und eine Geliebte.

Aber wie ein Schatten schwebt der Umstand über ihm, dass er 1932 in Steisslage zur Welt kam und seiner Mutter bei der Geburt schreckliche Schmerzen bereitete - ein Trauma, mit dem Antonio Vitali seiner Frau auf die Nerven geht und bei seiner Geliebten Anerkennung findet.

Eines Tages bricht er alle Brücken hinter sich ab, kündigt sieben Jahre vor der Pensionierung und begibt sich alleine auf eine Nilkreuzfahrt. Am 2. Januar 1986 stirbt er im Tempel von Luxor an einem Herzinfarkt.

Einer der achtzehn Lebensläufe durchschnittlicher Zeitgenossen, die der italienische Ausnahmeliterat und Büchernarr Giuseppe Pontiggia erfunden hat: mit berührendem Witz, einem in der Kürze versteckten Reichtum und ganz ohne Kitsch und Klischees.

Mit Paul Burian, Till Kretzschmar, Herlinde Latzko und Susanne-Marie Wrage 

Deutsch: Barbara Krohn - Musik: Jörg Köppl - Regie: Franziska Hirsbrunner - Produktion: Schweizer Radio DRS, 2008 - Dauer: 17'

Anschliessend:

Ein Gespräch mit dem Soziologen Franz Schultheis

Wir werden alle geboren, und wir sterben alle. Aber seit wann haben Menschen eigentlich Lebensläufe? Gibt es Kulturen, die die Struktur des Curriculum Vitae, des individuellen Verlaufs eines Lebens, nicht kennen? Was hat es mit der «Normalbiografie» auf sich, der Institutionalisierung durch die moderne Industriegesellschaft? Und warum haben literarische Lebensbeschreibungen fast immer eine tragische Note?

Zur Eröffnung des Hörspielschwerpunkts «Lebensläufe» diskutiert Franziska Hirsbrunner diese und andere Fragen mit dem Soziologieprofessor Franz Schultheis, der an der École doctorale de sciences sociales (EHESS) bei Pierre Bourdieu habilitiert hat.

Redaktion: Franziska Hirsbrunner