Visionen von letzten Dingen – zum Tode von Claudio Abbado

Gleich zweimal dirigierte Claudio Abbado diesen Sommer in Luzern eine «Unvollendete»: Die Sinfonie in h-Moll von Franz Schubert und Anton Bruckners Sinfonie Nr. 9. Ein Konzert, das das «Geheimnis Abbado» hat anklingen lassen.

«Zuhören!» ermahnte der Dirigent seine Orchestermusiker in den Proben: Abbado 1985 in Versailles.
Bildlegende: «Zuhören!» ermahnte der Dirigent seine Orchestermusiker in den Proben: Abbado 1985 in Versailles. Corbis

Claudio Abbado, diesen Montag im Alter von 80 Jahren in Bologna verstorben, hat Anton Bruckners sinfonischem Kosmos einen prominenten Platz im Repertoire des Lucerne Festival Orchestra eingeräumt. Die Siebte und die Vierte, die Fünfte und die Erste Sinfonie des Österreichers haben sie in den vergangenen Jahren in Luzern bereits zur Aufführung gebracht.

Diesen Sommer folgte die Neunte, der unvollendete Schwanengesang des Komponisten. Für viele internationale Kritiker war dieser Bruckner wie eine Vision von letzten Dingen. In der NZZ war zu lesen:

«Der gewaltig aufgetürmte, scharf dissonante Akkord, der den Höhepunkt des Adagios bildet, geht einem als Begegnung mit dem Transzendenten immer wieder ans Lebendige, aber selten geschieht es so erschütternd, wie es hier der Fall war. Und nicht weniger selten erlebt man den darauf folgenden Abgesang, der das Fragment gebliebene d-Moll-Werk in E-Dur ausklingen lässt, so eindringlich als Verklärung.

Gewiss ist dieses Adagio-Struktur wie jede Musik; dennoch konnte man einmal mehr Zeuge werden, wie Bruckner hier, nach dem ringenden Kopfsatz und dem geradezu kämpferisch im Leben stehenden Scherzo, seinen Gott, dem er das Werk widmen wollte, geschaut hat.»

 

Franz Schubert: Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 »Die Unvollendete«
Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 9 d-Moll WAB 109
Lucerne Festival Orchestra, Leitung: Claudio Abbado

Wiederholung des Konzertes vom 23. August 2013 am Lucerne Festival

 

Redaktion: Roland Fleig