Einmal viral und nie mehr zurück

Wie fühlt es sich an, wenn berühmt wird durch ein Video, das viral gegangen ist? Wenn Hunderttausende, gar Millionen über ein Video lachen, in dem man selber zu sehen ist? Wie hält man das aus?

«Verreis! Verreis! Verreis!»

«Verreis! Verreis! Verreis!» Dieser Spruch ist zum Running Gag im Netz geworden. Gesagt hat ihn Meinrad Pfister. In einem Beitrag auf TeleZüri erklärt er, wie er sich gegen einen aggressiven Fuchs wehrt.


Wenn Ernst zu Slapstick wird
Das Video geht viral. Nicht wegen der Geschichte, die Meinrad Pfister erzählt, sondern wegen der Art und Weise.


Wer nachspielt, was sich in der Vergangenheit ereignet hat, wirkt unfreiwillig komisch. Egal, wie Ernst die Situation war, verkommt sie zur Parodie, wird zum Slapstick.


Meinrad Pfister (Jhg. 1954) ist in der Literatur zu Hause. Er hat die Literaturtage in Eglisau und Rapperswil auf die Beine gestellt. Man kennt ihn als Kulturstifter.

Im Interview sitzt mir dann auch ein ruhiger, feiner und reflektierter Mann gegenüber, der nichts mit dem aufgekratzten Mann aus dem Fuchsvideo gemeinsam hat. Ein Mann, der die Aufmerksamkeit des Internets in dieser Form nicht gesucht hat.

«Die Jungen wollen Selfies mit mir, die Alten beschimpfen mich als Tierhasser»
Kaum ist das Video online, wird er ständig angesprochen: «Auf der Post, auf der Bank - ich bin auf Schritt und Tritt angesprochen worden», erzählt Pfister.


Es gebe einen Unterschied zwischen Alten und Jungen, erzählt Pfister weiter. Während er von älteren Leuten als Tierhasser abgestempelt worden ist, wollen die Jungen Selfies mit dem Internet-Star. Auf die Selfies lasse er sich gerne ein, werde er beschimpft, erkläre er in Ruhe seine Sicht der Dinge.


Manchmal schweigt man besser, auch wenn einem nach Schreien ist
Pfister scheint die Geschichte, auch wenn sie ihn zu Beginn belastet hat, mit Humor zu nehmen. Er habe sich für den Humor entschieden, sagt er: «Entscheiden kann man sich nur, wenn man erst reflektiert und distanziert von den Emotionen sagen kann, das und das ist Sache. Für mich war klar: Ich verkrieche mich nicht.»


Ob das virale Video sich auf seinen Beruf ausgewirkt habe? Jein. Einige Male sei er gefragt worden, wie ein Kulturstifter so gegen Tiere sein könne. Das sei so vereinfachend und simpel, dass er nicht darauf eingehe, sagt Pfister. «Manchmal ist es besser, man schweigt.»

In diesem Input werden ausserdem diese Aspekte beleuchtet:

Alles viral, oder was? Alexander Meyer ist Experte für digitale Kommunikation und sagt, was man unter den ganzen Hypes verstehen muss.

Der Macher: Auf Swissmeme unterhält Zeki Bulgurcu das Internet so gut wie wenig andere. Durch seine Videos sind aber auch schon einige Leute berühmt geworden, ob sie wollen, oder nicht. Er erklärt, wo er die Grenze zieht.


Ungewollt viral: Meinrad Pfister erzählt seine Geschichte.


Viral, vollgeil: Sammy Frey freut sich über sein virales Video.


Recht auf Vergessen: Anwalt Martin Steiger erklärt, wie man diffamierende Links aus dem Netz kriegt.

Unten sind übrigens die Links zu den Videos, von denen in der Sendung die Rede ist.

Autor/in: Ree, Moderation: Tom Gisler