Wie korrupt ist die Schweiz?

Am FIFA-Kongress in einigen Tagen wird sich zeigen, ob dem Weltfussballverband nach den Korruptionsvorwürfen der Neubeginn gelingt. Ominöse Geldcouverts wechseln aber nicht nur bei mächtigen Sportverbänden den Besitzer, sondern auch in der öffentlichen Verwaltung und in der Privatwirtschaft.

Haupteingang des FIFA-Sitzes in Zürich.
Bildlegende: Haupteingang des FIFA-Sitzes in Zürich. Keystone

Input beleuchtet die Facetten der Korruption und Intransparenz in der Schweiz und zeigt, wie wichtig Whistleblower sind.

Korruption in der öffentlichen Verwaltung
Die grossen Korruptionsfälle in der Bundesverwaltung zeigen: Auch Schweizer Beamte sind mitunter bestechlich. Beim SECO, in der Eidgenössischen Steuerverwaltung, im Bundesamt für Umwelt: Immer waren IT-Projekte betroffen. «Hier geht es um sehr viel Geld, und darum sind solche Projekte speziell anfällig auf Korruption», sagt Strafrechtsprofessor Mark Pieth.

Korruption in der Privatwirtschaft
Die Privatkorruption sorgt in der Regel nicht für Schlagzeilen. Dies hat einen einfachen Grund: Korruptionsfälle im Privatsektor werden meist diskret erledigt, ohne öffentliches Aufsehen. Eric Martin, Präsident der Nichtregierungsorganisation Transparency International: «Die Dunkelziffer bei der Privatkorruption ist sehr hoch».

Vetterli und -Günstlingswirtschaft
Transparency International ortet bei der Vetterliwirtschaft einen grossen, blinden Fleck in der Schweiz. «Vetterliwirtschaft ist der Vorhof der Korruption», sagt Eric Martin. Die Schweiz ist kleinräumig, man kennt sich – und begünstigt sich. Soihäfeli, Soideckeli.

Intransparente Geldflüsse in der Politik
Die Schweiz ist das einzige Land in Europa, das keine Transparenz und keine gesetzliche Regelung kennt bei der Parteienfinanzierung. Für die OECD und für Transparency International unhaltbar und dem Vertrauen in unsere Demokratie abträglich.

Whistleblower leben gefährlich
Ohne Insider, die Unrecht melden, geht gar nichts. Aber Whistleblower sind in der Schweiz zuwenig geschützt und «stehen manchmal mit einem Bein schon im Gefängnis», sagt Whistleblower-Expertin Zora Ledergerber. Auch hier besteht Handlungsbedarf.

Zwei Hauptmotivationen für korruptes Handeln
«Der banale, alltägliche und weitverbreitete Grund, warum jemand korrupt ist: Gier. Reich werden. Der andere: Machterhaltung. Die Gefolgschaft mit Geld bei Stange halten.» Mark Pieth, Strafrechtsprofessor und «Antikorruptions-Papst».

Moderation: Gaudenz Weber, Redaktion: Gaudenz Weber