Keine Ahnung von Tuten und Blasen - Teil 2

Was Helium bei einem Blasorchester bewirkt, wie der unbeliebteste Beruf im Spätmittelalter unseren heutigen Sprachgebrauch beeinflusst und wieso Astronauten nicht pfeifen können: Wir haben für Sie 5 weitere skurrile Fakten rund ums Thema Blasmusik zusammengestellt.

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So klingt ein Blasorchester auf Helium

0:48 min, vom 14.11.2014

Sie haben die ersten fünf Fakten verpasst? Hier finden Sie Punkte 1-5!

6) Quietschende Stimmen und kreuzfalsche Töne

Während jedes Kind weiss, dass unsere Stimme in Kombination mit Helium zu einem hochfrequenten Micky Maus-Erlebnis wird, wissen Wenige, dass Helium auch auf Blasmusiker den gleichen Einfluss hat. Denn: Helium verkürzt nicht, wie vielerorts angenommen, die Stimmbänder sondern strömt bei jeder ausatmenden Tätigkeit heraus. Weil Helium leichter als Luft ist und deswegen fast drei Mal schneller rausströmt, vibrieren unsere Stimmbänder schneller und erzeugen so einen höheren Ton, als wir es uns mit der selben Menge an Luft gewohnt sind. Man kann sich das ganze also wie eine schneller abspielende Kassette vorstellen.

7) Eine Erfindung entgegen der Umstände

Vor einer Woche feierten Musiker rund um den Globus den 200. Geburtstag von Adolphe Sax. Doch dass es überhaupt so weit kam, ist keine Selbstverständlichkeit, denn Herr Sax hatte grosses Glück, dass er seine Kindheit überlebt hat.

Der Älteste von 11 Geschwistern stürzte als Kind aus dem Fenster im dritten Stock eines Hauses, verschluckte einen Pin, zog sich bei einem Unfall mit Schiesspulver und kurz darauf mit einer Bratpfanne schwere Verbrennungen zu, erlitt drei Vergiftungen durch das Inhalieren von Lack-Dämpfen, wurde von einem Pflasterstein am Kopf getroffen und ertrank beinahe in einem Fluss.

Erst viele Jahre danach war er dermassen genervt vom Ton seiner Bassklarinette, dass er kurzerhand ein neues Instrument baute – das Saxophon.

8) Pfeifen unmöglich!

Ein Astronaut mit einem Banjo auf dem Mond

Bildlegende: Trostloses All So ein Spaziergang auf dem Mond ist nichts für musikalische Gemüter. Pinterest

Mal eben fröhlich ein Lied pfeifen? Ein Ding der Unmöglichkeit für Astronauten im Raumanzug. Der Astronaut Dan Barry scheiterte 1999 zufällig am Selbstversuch und legte so den Grundstein für unzählige erfolglose Versuche von weiteren Astronauten. Der Grund ist simpel: Der Luftdruck innerhalb des Raumanzugs im Weltall beträgt lediglich weniger als ein Drittel des Luftdrucks auf der Erde.

So sind nicht genug Luftmoleküle vorhanden, welche durch den erzeugten Druck in Schwingung gebracht werden können, um einen Ton zu erzeugen.

9) Jäger, Sammler und ...Flötenspieler?

Wer sich die Steinzeitmenschen bisher nur als grobschlächtige, einfältige Wesen vorgestellt hat, muss wohl sein Bild überdenken. Archäologen entdeckten bei Tübingen, etwas mehr als 100 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, das älteste bis dato gefundene Instrument. Die höchstwahrscheinlich mehr als 35’000 Jahre alte, aus Knochen gefertigte Flöte ist somit Beleg für den ersten nachgewiesenen Musiker der Erde.

10) Der unbeliebteste Beruf im Mittelalter

Warum hat man eigentlich „keine Ahnung von Tuten und Blasen“?

Diesen Ausdruck verdanken wir den nur wenig angesehenen, spätmittelalterlichen Nachtwärtern. Die Gesellschaft hielt diese nämlich für Taugenichtse, deren einzige Arbeit darin bestand, in der Nacht aufzubleiben, herumzuspazieren und bei Gefahr (welche höchst selten drohte) das Warnsignal ins mitgeführte Horn zu blasen. Hatte nun ein Nachtwächter noch nicht einmal Ahnung vom Tuten und Blasen, war dieser für gar nichts zu gebrauchen. Und so ist es noch heute.