Ägypten: Keine Reisewarnung – Keine kostenlose Stornierung

Nach Flugzeugabsturz: Im Gegensatz zu den russischen und britischen Behörden raten das Schweizer EDA und andere europäische Behörden weiterhin nicht von Flugreisen in den Badeort ab. Wer seine Ferien umbuchen oder stornieren will, muss happige Gebühren zahlen.

Carmen Feurstein aus Pfäffikon hat beim deutschen Ägypten-Spezialisten Eti.de Ferien in Sharm el-Sheik gebucht, wie zuvor bereits einige Male. Der mögliche Anschlag auf ein russisches Passagierflugzeug im Oktober hat sie und ihre Begleiter jedoch verunsichert. Aus Angst vor weiteren Anschlägen und den teils chaotischen Verhältnisse für Reisende wollten sie die Reise umbuchen.

60 Prozent der Reisekosten sind fällig

Das deutsche Reisebüro schaltete jedoch auf stur. Da auch die zuständige deutsche Behörde nicht vor Flugreisen nach Sharm el-Sheik warnt, würden die allgemeinen Vertrags- und Reisebedingungen gelten. Und gemäss diesen sind bei einer Stornierung oder Umbuchung ein bis zwei Wochen vor Reiseantritt 60 Prozent der Reisekosten fällig.

Das gleiche gilt grundsätzlich auch bei Schweizer Reiseveranstaltern. Auch Tui Suisse, Kuoni und Hotelplan verweisen auf die Reisehinweise des Aussendepartments EDA, welche nicht explizit von Flugreisen nach Sharm el-Sheik abraten. Auch hier wären im Zeitraum, in welchem Carmen Feurstein von der Reise zurücktreten wollte, 50 Prozent der Reisekosten fällig gewesen. In der letzten Woche vor der Abreise sind es sogar 80 bis 90 Prozent.

Wenige Kunden buchen um oder stornieren

Man habe Verständnis, falls bei Reisenden ein mulmiges Gefühl aufkomme, sagt Roland Schmid von Tui Suisse auf Anfrage des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1. Grundsätzlich sei die Lage vor Ort normal und die Reise kein Problem. Sein Rat: Zusammen mit dem Reisebüro eine Lösung finden. Bis Anfang dieser Woche habe sich lediglich ein Kunde zur Umbuchung entschieden.

Chaotische Zustände am Flughafen

Auch Kuoni und Hotelplan sprechen von Einzelfällen. Kuoni-Sprecher Marcel Schlatter sagt, man sei in ständigem Kontakt mit den Vertretern vor Ort. Diese würden von teils chaotischen Zuständen am Flughafen von Sharm el-Sheik berichten, weil insbesondere britische Touristen nach wie vor evakuiert würden. In den Hotelanlagen sei davon jedoch nichts zu spüren, Ferien seien problemlos möglich.

Dass Behörden unterschiedliche Reisehinweise aussprechen, komme hie und da vor, erklärt Reiseombudsmann Franco Muff auf Anfrage. Es sei auch eine politische Frage: Offenbar hätten die britischen Behörden Hinweise, dass die eigenen Bürger auf Flugreisen von und nach Sharm el-Sheik gefährdet seien. Die Schweizer und die deutschen Behörden kommen demnach zurzeit für die eigenen Bürger zu einem anderen Schluss.

Abweichende Reisehinweise gleichen sich in der Regel an

Franco Muff erklärt weiter, im Normalfall würden sich Reisehinweise innert weniger Wochen angleichen. Für den Fall, dass das EDA von Flugreisen nach Sharm el-Sheik abraten würde, wären Stornierungen und Umbuchung dann kostenlos für alle Touristen möglich.

Carmen Feurstein hat es sich nach der Absage von Eti.de indes anders überlegt und statt umgebucht die Reise storniert. Die Gebühren von 60 Prozent der Reisekosten nimmt sie auf sich. Sie hofft nun auf ein günstiges Last-Minute-Angebot – an einem anderen schönen Ort.