Lästiges Telefonmarketing Aggressive Inserateverkäufer belästigen Todkranke

Obwohl sie die Offerte in den Wind geschlagen hat, erhält eine Beizerin eine Inkassoforderung für eine ganze Serie von Inseraten. Sie wird auch nicht in Ruhe gelassen, als sie schwer erkrankt und deshalb ihr Restaurant schliessen muss.

Es ist die typische, fiese Telemarketingstrategie: Ein Vertreter der Inserateverkaufsfirma Coeo will einer 60-jährigen Bündner Beizerin ein Inserat für deren Ausssichtslokal im Prättigau aufschwatzen. Der Verkäufer versucht, sie zuerst einzuwickeln mit schmeichelhaften Worten über ihr Restaurant, dann geht es ums Geschäft. Sie soll inserieren im «BSW-Anzeiger», einer regionalen Inseratebeilage fürs Sarganserland, die in anderen Regionen unter anderem Namen («Züri Stadt & Land-Express» oder «Aargau-Solothurn-Express») erscheint und auch dem «Blick» beigelegt wird.

Absage wird einfach ignoriert

Die Frau ist verwirrt, sie sagt – gemäss den Schilderungen ihres Schwiegersohns – weder Ja noch Nein. Prompt schickt ihr Coeo kurz drauf einen schludrig gebastelten Entwurf des Inserats mit der Bitte um ein «Gut zum Druck». Man gibt der Frau nicht einmal einen Tag Bedenkzeit. Wenn sie nicht reagiere, gehe man davon aus, dass die Vorlage gedruckt werden könne, schreiben die Inserateverkäufer. Das Mail liegt dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» vor. Ebenso wie die schriftliche Absage der Beizerin mit der Bitte, den Auftrag zu stoppen.

Doch die Inserateverkäufer ignorieren das einfach. Sie stellen eine Rechnung über eine ganze Inserateserie; 14 Mal soll das Inserat erscheinen. Kostenpunkt: rund 2800 Franken. Das hat sich im Frühling dieses Jahres abgespielt. Ob je ein Inserat erschienen ist, ist fraglich. Coeo kann oder will keine Belege zeigen.

Schockdiagnose: Unheilbarer Krebs

Im Juni erhält die Frau eine Schockdiagnose: Unheilbarer Bauchspeicheldrüsen-Krebs. Sie gibt das Restaurant auf. Ihr Schwiegersohn kümmert sich um die ausstehenden Rechnungen. Er interveniert mehrmals bei den Inserateverkäufern. Diese erlassen ihm dann einen Teil der Schuld, etwas mehr als die Hälfte. Der Schwiegersohn will aber, dass alles gestrichen wird: «Dieses Vorgehen ist nicht sauber.» Umso mehr, als das Inserat ja offenbar nicht einmal erschienen und das Restaurant unterdessen schon länger geschlossen sei.

Diffuses Mail der Inkassofirma

Anstelle von Coeo meldet sich die Inkassofirma IDW bei «Espresso». Sie schreibt, man habe die betreffende Forderung bereits «ausgebucht». Und: «Selbstverständlich entspricht es überhaupt nicht der Geschäftspraxis unseres Gläubigers (Coeo GmbH) Aufträge mit älteren und kranken Personen abzuschliessen.» Die Belege, die «Espresso» vorliegen, zeigen das Gegenteil. Auf Nachfragen, unter anderem, was denn genau «aus-» oder wohl eher abgebucht wurde, kommt keine Antwort mehr.

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