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Multimedia Betreibung für falschen Eintrag im Telefonbuch

15 Jahre lang versucht Daniel Süssli seinen Firmennamen im Online-Telefonregister zu ändern. Doch Anbieter Localsearch passt den Eintrag nicht an. Im Gegenteil: Am Ende steht er mit einer Betreibung da – aber immer noch mit dem falschen Telefonbucheintrag.

Legende: Video Falscher Eintrag im Telefonregister: 15 Jahre nichts als Ärger abspielen. Laufzeit 5:16 Minuten.
Aus Kassensturz vom 13.03.2018.

Der Yoga- und Qi-Gong-Lehrer Daniel Süssli hat seine innere Mitte gefunden. Meistens. Einzig wenn er die Stichworte Telefonbucheintrag oder Localsearch hört, brodelt es bei ihm. Denn: Seit Jahren steht bei local.ch und search.ch – elektronischen Telefonbüchern – unter seinem Namen der Eintrag: Yoga-Institut und Heiltherapie. Doch das Wort Heiltherapie soll endlich weg. «Wenn es Heiltherapie heisst, ist die Therapie immer irgendwie im Hintergrund. Und ich will nur noch Trainer sein», sagt Daniel Süssli.

Neuer Vertrag soll's richten

Seit 15 Jahren versucht Daniel Süssli schon den Eintrag zu ändern. Unzählige Male habe er deswegen mit Localsearch telefoniert, sagt er. Ohne Erfolg. «Überall bin ich mit Yoga und Qi Gong-Schule gelistet. Nur Localsearch beharrt auf Heiltherapie», enerviert sich Süssli.

Einen Eintrag in unseren Verzeichnissen anzupassen ist eigentlich ganz einfach.
Autor: Christos BräunleMediensprecher Localsearch

Schon fast als Akt der Verzweiflung könnte man den Vertrag bezeichnen, den Daniel Süssli im Februar 2015 unterschreibt. Ein Vertrag mit Localsearch, der ihn ganz oben im Telefonbuch erscheinen lassen soll, ein sogenanntes Top-Listing. Kostenpunkt: 1290 Franken pro Jahr. Sein eigentliches Ziel: Localsearch solle endlich seinen Eintrag in «Qi Gong-Schule» abändern. Doch daraus wird auch diesmal nichts: Qi Gong und Daniel Süssli sucht man in der Folge vergebens.

Localsearch sagt «Äxgüsi»

Localsearch entschuldigt sich. Daniel Süssli sei die berühmte Ausnahme von der Regel. «Einen Eintrag in unseren Verzeichnissen anzupassen ist eigentlich ganz einfach. Man kann es auf unseren Plattformen machen, man kann unsere Servicehotline kontaktieren oder man kann es postalisch machen», sagt Christos Bräunle, Mediensprecher von Localsearch.

local.ch und search.ch Logo
Legende: Auf Localsearch ist Süssli nicht gut zu sprechen, den jahrelang versuchte er vergebens seinen Firmen-Eintrag abzuändern. SRF

Bei Daniel Süssli aber ignorierte Localsearch unzählige Telefonate und sogar einen Vertrag mit neuem Firmennamen. Auch zwei Jahre nach dessen Unterzeichnung führt Localsearch Daniel Süssli immer noch unter «Yoga-Institut und Heiltherapie». Der Vertrag sei im System hängen geblieben, entschuldigt sich Christos Bräunle.

Kostspielige, neue Firmeneinträge bei Localsearch

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Der Grundeintrag im Telefonbuch und bei local.ch und search.ch ist gratis. Wollen Firmen zusätzliche Informationen veröffentlichen, müssen sie dafür bezahlen.

In der neusten Ausgabe des «K-Tipp» steht, dass diese speziellen Firmeneinträge durch «eine moderne Online-Präsenz abgelöst» würden. So stünde es in einem Brief von Localsearch, so der «K-Tipp». Das neue Produkt «Swiss List» starte am 1. Mai und koste mit 440 Franken, fast viermal so viel wie bisher. Und: Wer sich nicht schriftlich bis am 15. März abmelde, erhalte eine Rechnung für das neue Produkt.

Localsearch-Mediensprecher Christo Bräunle beschwichtigt, die Kunden könnten sich bis spätestens zum Beginn des neuen Vertrages abmelden. Der kostenlose Grundeintrag bleibt bestehen. Ein ausführlicher Firmeneintrag ist aber für etwas mehr als 100 Franken nicht mehr zu haben.

Kommt hinzu, dass der Vertrag Ende 2015, nach 10 Monaten, digitalisiert wurde: Der Vertrag bekam eine neue Vertragsnummer, er bekam ein neues Vertragsdatum, er wurde nicht mit der Geschäftsadresse adressiert – und er wurde fälschlicherweise vom Verkaufsagenten unterzeichnet. Zwischen den beiden Verträgen – dem alten, handgeschriebene und dem neuen, digitale – macht Daniel Süssli in der Folge nie eine Verbindung.

Das vorläufige Ende: Betreibung

Das wird Daniel Süssli zum Verhängnis: Denn Rechnungen bezahlt er nicht. Im Glauben, dass er einen solchen Vertrag nie unterzeichnet habe. «Da ist sicher auf unserer Seite nicht ideal kommuniziert worden», nimmt Christos Bräunle von Localsearch einen Teil der Schuld auf seine Kappe. Nach den Rechnungen flattern Mahnungen, am Ende gar eine Betreibung ins Haus. Daniel Süssli hat einen Eintrag im Betreibungsregister.

Als «Kassensturz» sich einschaltet, löst sich das Problem rasch: Localsearch ändert den Eintrag auf Qi-Gong-Schule. Und auch die Betreibung lassen sie fallen. Daniel Süssli ist dennoch enttäuscht von Localsearch: «Ich will keinen Localsearch-Mitarbeiter mehr im Haus haben. Ich bin schlichtweg angelogen worden.»

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