Blindflug-Horror im Tunnel: Astra testet Sensoren-Warn-System

Eine prekäre Situation, die vor allem im Herbst und im Winter eintreten kann: Innert Sekunden beschlagen die Scheiben komplett, wenn das Auto in einen Tunnel fährt. Immer wieder gibt es deswegen schlimme Unfälle. Endlich handelt nun der Bund.

2008 auf der A4 bei Brunnen, 2014 im Isla-Bella-Tunnel bei Bonaduz: Weil Lenker wegen völlig beschlagener Scheiben urplötzlich nichts mehr sahen, kam es zu schweren Verkehrsunfällen. Glück gehabt hat ein Zürcher Autofahrer, der im Gubrist-Tunnel mit dem Phänomen konfrontiert war: «Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich habe zuerst etwas abgebremst und dann die Scheibe runtergekurbelt und den Kopf zum Fenster rausgestreckt», erzählt der Lenker dem Konsumentenmagazin «Espresso» auf Radio SRF 1. Viele würden wohl ähnlich reagieren – so wie man ja NICHT reagieren sollte. Bremsen auf der Autobahn ist hochriskant, das Fenster öffnen kann die Situation sogar noch verschlimmern.

Ursache: Temperaturunterschiede und höhere Luftfeuchtigkeit

Die Ursache für das plötzliche Beschlagen der Scheiben sind Unterschiede in der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit im Tunnel und ausserhalb: «Wenn die Luft zum Beispiel ausserhalb des Tunnels kälter ist als drinnen und die Luftfeuchtigkeit im Tunnel höher, dann kann rasch Wasser kondensieren, der sich als Tau auf die Scheibe legt», erklärt Fachmann Bernhard Schwab vom TCS.

Was soll man tun?

Der wichtigste Tipp: Sofort Scheibenwischer aktivieren. Wenn die Scheibe auch im Wageninnern beschlagen ist, diese mit der Hand oder einem Lappen kurz freiwischen. Und: Die Klimaanlage aufdrehen – bei entsprechenden Wetterverhältnissen auch schon frühzeitig. Das hilft, damit die Luft im Auto abtrocknet. Bernhard Schwab empfiehlt auch, dass man ab und zu den Innenraumfilter auswechselt, bei älteren Modellen die Fensterdichtung und dass man ab und zu die Fenster auch innen reinigt: «Verschmutzte Scheiben beschlagen schneller.»

Was macht der Bund?

Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat das Problem nun endlich angepackt. Laut Mediensprecher Guido Bielmann hat es zum einen das Problem näher untersucht und eine Liste mit 17 Tunnels erstellt, in denen die Gefahr besteht, dass die Scheiben plötzlich beschlagen. In drei dieser Tunnels hat das Astra versuchsweise sogenannte «Taupunktsensoren» installiert. Im Leissigentunnel im Berner Oberland, im Eggfluhtunnel im Kanton Baselland und im Vue-des-Alpes-Tunnel im Jura. Diese Sensoren sollen bei problematischen Wetterverhältnissen die Tunnel-Entlüftungsanlage aktivieren, die unter anderem auch rasch Rauch aus dem Tunnel pumpt.

Zu den problematischen Röhren gehört offensichtlich auch der Isla-Bella-Tunnel bei Bonaduz. Hier hat das Astra erst mal eine Warntafel platziert. Was die definitive Lösung wird – Tafeln oder Sensoren –steht noch nicht fest. Die Tests laufen noch bis auf Weiteres.